Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Kurzüberblick
Bei diesen Erkrankungen stehen Schmerzen oder Erschöpfung über Monate bis Jahre im Vordergrund, ohne dass eine einzelne klare Ursache sichtbar wäre.
- Fibromyalgie: weit verbreitete, anhaltende Schmerzen in mehreren Körperregionen, meist zusammen mit Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen
- ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom): schwere, anhaltende Erschöpfung, die sich durch Ruhe nicht bessert, mit deutlicher Verschlechterung nach körperlicher oder geistiger Anstrengung
- Chronische primäre Schmerzen: Schmerzen, die selbst zur Erkrankung geworden sind, auch ohne fortbestehende körperliche Schädigung
Die Beschwerden sind echt und keine Einbildung. Betroffene erleben oft, nicht ernst genommen zu werden. Das belastet zusätzlich.
2 Symptome
- Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken an vielen Stellen des Körpers
- Müdigkeit, nicht erholsamer Schlaf, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Fibro-Nebel“)
- häufig auch Kopfschmerzen, Reizdarm, Steifigkeit, Überempfindlichkeit gegen Reize
- oft begleitende Depression oder Angst
ME/CFS:
- ausgeprägte Erschöpfung, die den Alltag deutlich einschränkt und sich durch Schlaf nicht erholt
- Post-Exertional Malaise (PEM): Verschlechterung der Beschwerden oft erst ein bis zwei Tage nach einer Belastung, die Stunden bis Wochen anhalten kann
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Schmerzen, Kreislaufprobleme im Stehen, Reizempfindlichkeit
Beide Erkrankungen schwanken im Tagesverlauf und über die Zeit.
3 Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen sind noch nicht vollständig verstanden. Wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen:
- Veränderte Schmerz- und Reizverarbeitung im Nervensystem (bei Fibromyalgie)
- Auslöser wie Infektionen, besonders Virusinfekte (bei ME/CFS auch nach COVID-19), starke körperliche oder seelische Belastung, Operationen oder Unfälle
- Beteiligung von Immunsystem, Nervensystem und Energiestoffwechsel (bei ME/CFS)
- Veranlagung, Dauerstress, Schlafmangel und belastende Erfahrungen als begünstigende Faktoren
Es handelt sich nicht um „psychosomatische Einbildung“. Seelische Belastung kann Beschwerden verstärken, ist aber nicht die alleinige Ursache.
4 Diagnostik
Es gibt keinen einzelnen Test. Die Diagnose wird gestellt, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen wurden, und stützt sich auf anerkannte Kriterien:
- ausführliches Gespräch über Beschwerden, Verlauf und Belastbarkeit
- körperliche Untersuchung und Laboruntersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschließen (z. B. Schilddrüse, Rheuma, Blutarmut, Infekte, Schlafapnoe)
- bei Fibromyalgie ein Schmerzfragebogen und die Prüfung der Schmerzregionen
- bei ME/CFS die Prüfung anerkannter Kriterien (z. B. Kanadakriterien) und die Abfrage der Belastungsintoleranz
Spezialisierte Ambulanzen und Schmerzzentren können helfen, sind aber oft mit Wartezeiten verbunden.
5 Behandlung
- Aufklärung und Selbstmanagement
- dosierte, langsam gesteigerte Bewegung, besonders Ausdauer- und leichtes Krafttraining, Wärmeanwendungen, Entspannungsverfahren
- Psychotherapie, vor allem Verhaltenstherapie im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie
- Medikamente nur begleitend und zeitlich begrenzt, z. B. bestimmte Antidepressiva. Klassische Schmerzmittel und Opioide werden nicht empfohlen.
ME/CFS:
- Pacing: Energie einteilen und Belastungsgrenzen beachten, bevor ein Einbruch auftritt
- Eine Aktivierung über die Belastungsgrenze hinaus (z. B. Aufbautraining ohne Rücksicht auf PEM) kann die Erkrankung verschlechtern
- Behandlung einzelner Beschwerden (Schlaf, Schmerzen, Kreislauf, Stimmung)
- Unterstützung im Alltag, Hilfsmittel, Reizreduktion, sozialrechtliche Beratung
Mehr dazu in den Lexikon-Kategorien „Körper- und Bewegungstherapien“, „Schmerzmittel“ und „Rechte und Sozialrecht“.
6 Verlauf und Prognose
Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Bei Fibromyalgie bessern sich die Beschwerden mit passender Behandlung und Selbstmanagement bei vielen Betroffenen spürbar, auch wenn sie oft über Jahre bleiben. Bei ME/CFS ist der Verlauf oft chronisch. Einige erholen sich teilweise, andere bleiben stark eingeschränkt. Gute Begleitung, Verständnis und das Einhalten der eigenen Grenzen verbessern die Lebensqualität.
7 Tipps für Angehörige
- Die Beschwerden glauben und ernst nehmen. Das entlastet enorm.
- Nicht zu mehr Aktivität drängen („Streng dich einfach an“). Bei ME/CFS kann das schaden.
- Alltag und Haushalt aufteilen, Ruhephasen und Reizarmut ermöglichen.
- Flexibel bleiben: Gute und schlechte Tage wechseln.
- Auch selbst Unterstützung suchen, zum Beispiel in Angehörigengruppen.
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- S3-Leitlinie Fibromyalgiesyndrom (AWMF-Register Nr. 145-004)
- NICE-Leitlinie NG206: Myalgic encephalomyelitis (or encephalopathy)/chronic fatigue syndrome (2021)
- Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e. V.
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation