Zitat⚠️ Medikamente nie eigenmächtig ändern oder absetzen. Bitte immer Rücksprache mit Ärztin oder Arzt halten. Dieser Artikel nennt bewusst keine Dosierungen.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Wirkstoff und Handelsnamen
Wichtige Wirkstoffe mit Beispielen für Handelsnamen:
- Paracetamol: Schmerz- und Fiebermittel
- NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika): Ibuprofen (z. B. Nurofen), Diclofenac, Naproxen
- Metamizol (z. B. Novalgin): starkes, nur auf Rezept erhältliches Schmerzmittel
- Opioide: z. B. Tramadol (Tramal), Tilidin, Oxycodon, Morphin
- Koanalgetika: Antidepressiva wie Amitriptylin oder Duloxetin und Antiepileptika wie Gabapentin und Pregabalin bei Nervenschmerzen
2 Wirkstoffgruppe
Analgetika (Schmerzmittel). Nach der Wirkstärke werden sie in Stufen eingeteilt (WHO-Stufenschema). Koanalgetika sind Medikamente anderer Gruppen, die bei bestimmten Schmerzen mitwirken.
3 Anwendungsgebiete
- akute Schmerzen (z. B. Kopf-, Zahn-, Verletzungsschmerzen)
- chronische Schmerzen je nach Ursache, bei denen Medikamente nur ein Baustein sind
- Nervenschmerzen (Koanalgetika)
- Tumorschmerzen und starke Schmerzen (Opioide, ärztlich begleitet)
- Hinweis: Bei Fibromyalgie und vielen chronischen Schmerzsyndromen sind Opioide nicht empfohlen
4 Wirkweise
Schmerzmittel greifen an verschiedenen Stellen an: NSAR und Paracetamol hemmen Schmerz- und Entzündungsstoffe, Opioide docken an körpereigenen Schmerzrezeptoren an, Koanalgetika beeinflussen die Schmerzweiterleitung im Nervensystem. Chronische Schmerzen werden auch durch Bewegung, Psychotherapie und Entspannung behandelt, die eine tragende Rolle spielen.
5 Häufige Nebenwirkungen
- Paracetamol: bei Überdosierung Leberschaden. Die Höchstmenge pro Tag darf nicht überschritten werden.
- NSAR: Magenbeschwerden und Magenblutungen, Nierenprobleme, Blutdruckanstieg, erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei längerer Einnahme
- Metamizol: selten Veränderungen des Blutbilds, die rasch ärztlich geklärt werden müssen (Fieber, Halsschmerzen)
- Opioide: Müdigkeit, Übelkeit, Verstopfung, Abhängigkeit, Atemdepression bei Überdosierung
- Koanalgetika: Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit (siehe Antidepressiva)
- Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch: bei zu häufiger Einnahme von Schmerzmitteln gegen Kopfschmerzen (an mehr als etwa zehn bis fünfzehn Tagen im Monat)
6 Wechselwirkungen
- Tramadol zusammen mit Antidepressiva (SSRI, SNRI): Gefahr eines Serotoninsyndroms und von Krampfanfällen
- NSAR zusammen mit SSRI oder Gerinnungshemmern: erhöhtes Blutungsrisiko; mit Lithium: erhöhter Lithiumspiegel
- Opioide zusammen mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder Schlafmitteln: Atemdepression, lebensgefährlich
- Rezeptfreie Mittel: Auch sie wechselwirken. Bei jeder Einnahme Apotheke oder Praxis informieren
7 Absetzen
Paracetamol, NSAR und Metamizol können in der Regel ohne Ausschleichen beendet werden, sobald sie nicht mehr gebraucht werden. Opioide und Koanalgetika (Antidepressiva, Antiepileptika) sollen nach längerer Einnahme nur schrittweise und ärztlich begleitet abgesetzt werden, um Entzugs- und Absetzsymptome zu vermeiden. Wer das Gefühl hat, ohne Schmerzmittel nicht mehr zurechtzukommen, kann sich bei Schmerzzentren und Suchtberatungsstellen Hilfe holen.
8 Quellen
- S3-Leitlinie Langzeitanwendung von Opioiden bei nicht-tumorbedingten Schmerzen (LONTS, AWMF)
- S3-Leitlinie Fibromyalgiesyndrom (AWMF-Register Nr. 145-004)
- Fachinformationen und Gebrauchsinformationen der jeweiligen Wirkstoffe
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)