Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Zu den Körper- und Bewegungstherapien zählen:
- Bewegungs- und Sporttherapie: angeleitetes Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining
- Physiotherapie: bei körperlichen Beschwerden, Verspannungen und Schmerzen
- Entspannungsverfahren: z. B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Atemübungen
- Yoga, Tai-Chi, Qigong: Verbindung von Bewegung, Atmung und Achtsamkeit
- Tanz- und Bewegungstherapie sowie körperorientierte Psychotherapie: Wahrnehmung und Ausdruck über den Körper
- Biofeedback: Anzeige körperlicher Signale wie Herzschlag oder Muskelspannung, um sie bewusst zu beeinflussen
2 Ablauf
Je nach Angebot:
- Einzel- oder Gruppensitzungen, meist ein- bis zweimal pro Woche
- Anleitung durch Sport-, Bewegungs- oder Physiotherapeutinnen und -therapeuten, in Kliniken Teil des Behandlungsplans
- Langsamer Aufbau, angepasst an Belastbarkeit und Erkrankung
- Regelmäßige Übung zu Hause festigt die Wirkung
Wer lange inaktiv war, sollte vor Trainingsbeginn ärztlich abklären lassen, was möglich ist.
3 Für wen ist es geeignet?
- Depression: Bewegung wirkt stimmungsaufhellend und wird in den Leitlinien empfohlen
- Angst- und Spannungszustände: Entspannung und Atemübungen
- Schlafstörungen, Stress und körperliche Beschwerden
- Chronische Schmerzen und Fibromyalgie: dosierte Bewegung
- Traumafolgen: körperorientierte Verfahren nur mit traumasensibler Begleitung
- Psychosen und Sucht: als Teil des Gesamtplans zur Stabilisierung
Je nach Erkrankung gibt es Besonderheiten. Bei ME/CFS beispielsweise darf Bewegung nicht über die Belastungsgrenze hinaus gesteigert werden.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Regelmäßige körperliche Aktivität ist bei leichter bis mittelschwerer Depression wirksam und hilft auch bei Angst, Schlaf und Stress. Entspannungsverfahren und Yoga zeigen Wirkung bei Anspannung und Angst, die Qualität der Studien ist unterschiedlich. Bei körperorientierten Psychotherapien ist die Studienlage weniger umfassend. Als Ergänzung zu Psychotherapie und Medikamenten sind sie sinnvoll, ersetzen aber bei schweren Erkrankungen nicht die ärztliche und psychotherapeutische Behandlung.
5 Kosten und Zugang
- In Kliniken und Reha sind Bewegungs- und Entspannungsangebote Teil der Behandlung und werden von der Kasse getragen.
- Physiotherapie wird bei medizinischer Notwendigkeit ärztlich verordnet. Es fällt eine gesetzliche Zuzahlung an.
- Präventionskurse wie Yoga, Entspannung oder Ausdauertraining werden von vielen Krankenkassen bezuschusst, wenn sie zertifiziert sind.
- Rehasport und Funktionstraining können ärztlich verordnet werden.
- Privat angebotene Verfahren wie Tanztherapie oder körperorientierte Therapie sind häufig Selbstzahlerleistungen.
6 Grenzen und Risiken
- Bewegung kann bei starker Antriebslosigkeit schwer fallen. Kleine, machbare Schritte helfen.
- Überforderung vermeiden, vor allem bei körperlichen Erkrankungen und Erschöpfungssyndromen.
- Körperorientierte Verfahren können bei Traumaerfahrungen starke Reaktionen auslösen. Daher nur mit entsprechend geschulten Fachleuten.
- Die Berufsbezeichnungen mancher Anbieter sind nicht geschützt. Auf Qualifikation achten.
7 Quellen
- S3-Leitlinie Unipolare Depression (Nationale VersorgungsLeitlinie): Empfehlungen zu körperlicher Aktivität
- S3-Leitlinie Fibromyalgiesyndrom (AWMF-Register Nr. 145-004)
- Informationen der Krankenkassen zu Präventionskursen nach § 20 SGB V