Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Komplementäre Verfahren sind Methoden, die zusätzlich zur ärztlichen Behandlung angewendet werden. Sie sind nicht dasselbe wie „alternative“ Medizin, die an die Stelle der Behandlung treten soll. Häufige Beispiele:
- Pflanzliche Mittel, z. B. Johanniskraut, Baldrian, Lavendel
- Akupunktur und Akupressur
- Homöopathie
- Achtsamkeits- und Meditationsverfahren, Entspannung
- Nährstoffe und Nahrungsergänzung, z. B. Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D
- Cannabis und CBD-Produkte
- Ernährungsansätze und Lichttherapie
2 Ablauf
Die Anwendung ist je nach Verfahren sehr verschieden: pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzung nimmt man selbst ein, Akupunktur wird von geschulten Ärztinnen oder Therapeuten durchgeführt, Meditation und Achtsamkeit werden in Kursen oder zu Hause geübt.
Wichtig: Jede Anwendung sollte der behandelnden Ärztin oder dem Arzt mitgeteilt werden, damit Wechselwirkungen und Doppelbehandlungen vermieden werden.
3 Für wen ist es geeignet?
Komplementäre Verfahren können bei leichten Beschwerden oder zur Unterstützung sinnvoll sein, zum Beispiel Entspannung und Achtsamkeit bei Stress, Schlafproblemen und Angst. Bei mittelschweren und schweren psychischen Erkrankungen ersetzen sie die leitliniengerechte Behandlung nicht.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Die Studienlage ist sehr unterschiedlich:
- Achtsamkeits- und Entspannungsverfahren: gute Hinweise auf Wirkung bei Stress, Angst und zur Vorbeugung von Depressionsrückfällen
- Johanniskraut: Es gibt Belege für eine Wirkung bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Es hat aber viele Wechselwirkungen, zum Beispiel mit der Antibabypille, mit Blutverdünnern und mit Antidepressiven (Gefahr eines Serotoninsyndroms).
- Lichttherapie: bei saisonaler Depression wirksam
- Akupunktur: Hinweise auf Wirkung bei Schmerzen, für psychische Erkrankungen wenig belegt
- Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D: Studienlage uneinheitlich, kein gesicherter Nutzen ohne nachgewiesenen Mangel
- Homöopathie: Eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung ist nicht belegt
- Cannabis und CBD: für psychische Erkrankungen nicht ausreichend belegt, Cannabis kann Psychosen, Angst und Depression verschlechtern und abhängig machen
Auch ein beruhigender Effekt durch Zuwendung und Ritual (Placebo-Effekt) kann hilfreich sein. Er ist aber kein Ersatz für eine wirksame Therapie.
5 Kosten und Zugang
- Pflanzliche Mittel, Nahrungsergänzung und Homöopathie sind meist Selbstzahlerleistungen.
- Präventionskurse zu Achtsamkeit und Entspannung werden von vielen Krankenkassen bezuschusst.
- Akupunktur wird in bestimmten Indikationen (z. B. chronische Rückenschmerzen, Knieschmerzen) von der Kasse übernommen, bei psychischen Erkrankungen in der Regel nicht.
- Johanniskraut-Präparate gibt es in verschiedenen Qualitäten. Auf apothekenpflichtige, standardisierte Präparate achten.
6 Grenzen und Risiken
- Auch „Natürliches“ kann Nebenwirkungen haben und mit Medikamenten wechselwirken.
- Niemals verordnete Medikamente zugunsten komplementärer Mittel absetzen. Das kann zu Rückfällen oder Absetzsymptomen führen.
- Vorsicht bei Versprechen von „Heilung“, bei teuren Angeboten ohne Nachweis und bei Anbietern, die von der Schulmedizin abraten.
- Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden, Suizidgedanken oder starker Verschlechterung gehört die Behandlung in ärztliche und psychotherapeutische Hände.
7 Quellen
- S3-Leitlinie Unipolare Depression (Nationale VersorgungsLeitlinie): Empfehlungen zu Johanniskraut, Lichttherapie und weiteren Verfahren
- Kommission E und Arzneimittelinformationen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
- Cochrane-Übersichtsarbeiten zu komplementären Verfahren bei psychischen Erkrankungen