Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Kurzüberblick
Die Neurologie umfasst Erkrankungen des Nervensystems. Häufige Beispiele:
- Epilepsie: wiederkehrende Krampfanfälle durch übermäßige Aktivität von Nervenzellen
- Multiple Sklerose (MS): chronisch-entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark, oft in Schüben
- Parkinson-Krankheit: Verlust von Nervenzellen mit Zittern, Steifheit und verlangsamter Bewegung
- Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen
- Schlaganfall: plötzliche Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn
- Polyneuropathie: Schädigung der Nerven mit Missempfindungen, Schmerzen oder Taubheit
Seelische Erkrankungen und neurologische Erkrankungen hängen eng zusammen. Depression und Angst treten bei vielen neurologischen Erkrankungen häufiger auf und sollten mitbehandelt werden. Demenzen sind in einem eigenen Eintrag beschrieben.
2 Symptome
Die Beschwerden hängen von der Erkrankung ab. Typische Warnzeichen:
- Lähmungen, Taubheitsgefühle, Kribbeln
- Sehstörungen, Doppelbilder, Schwindel, Gleichgewichtsstörungen
- Sprach- oder Schluckstörungen
- Krampfanfälle oder kurze Bewusstseinsaussetzer
- starke oder neuartige Kopfschmerzen
- Zittern, Steifigkeit, verlangsamte Bewegungen
- Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
- Müdigkeit, Stimmungsveränderungen, Schlafprobleme
Schlaganfall-Warnzeichen (FAST): hängender Mundwinkel (Face), Schwäche oder Lähmung eines Arms (Arms), undeutliche oder verwaschene Sprache (Speech), dann sofort handeln (Time): Notruf 112.
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Durchblutungsstörungen: z. B. Schlaganfall bei Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, Vorhofflimmern
- Entzündliche und Autoimmunprozesse: z. B. Multiple Sklerose
- Degenerative Veränderungen: z. B. Parkinson
- Genetische Faktoren, Verletzungen, Infektionen oder Tumoren je nach Erkrankung
- Stoffwechsel- und Giftstoffe: z. B. Alkohol, Vitaminmangel, Diabetes bei Polyneuropathie
4 Diagnostik
Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis, danach Fachärztinnen und Fachärzte für Neurologie. Je nach Beschwerden gehören dazu:
- ausführliche Untersuchung von Reflexen, Kraft, Gefühl, Koordination und Sprache
- Bildgebung des Gehirns oder Rückenmarks (MRT, CT)
- EEG bei Verdacht auf Epilepsie, Nervenleitgeschwindigkeit bei Nervenschäden
- Blutuntersuchungen und gegebenenfalls Nervenwasseruntersuchung
Bei plötzlichen Ausfällen zählt jede Minute. Nicht abwarten.
5 Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Erkrankung. Typische Bausteine:
- Medikamente: z. B. Antiepileptika, Immuntherapien bei MS, Dopamin-Wirkstoffe bei Parkinson, Akut- und Vorbeugungsmedikamente bei Migräne
- Akutbehandlung bei Schlaganfall (z. B. Medikamente zur Auflösung des Gerinnsels, Eingriffe) und anschließende Vorbeugung
- Rehabilitation: Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, neuropsychologisches Training
- Behandlung seelischer Begleiterkrankungen: Psychotherapie und, wenn nötig, passende Medikamente, bei denen auf Wechselwirkungen geachtet wird
- Selbsthilfe, Schulungen und Beratung zum Leben mit der Erkrankung
Mehr dazu in den Lexikon-Kategorien „Stimmungsstabilisierer“ (z. B. bei Epilepsie) und „Kreativ- und Ergotherapie“.
6 Verlauf und Prognose
Der Verlauf unterscheidet sich stark. Manche Erkrankungen lassen sich gut kontrollieren, etwa viele Epilepsien oder Migräne. Andere sind chronisch und schreiten fort, lassen sich aber heute oft deutlich verlangsamen. Nach einem Schlaganfall hängt die Erholung stark von schneller Behandlung und konsequenter Rehabilitation ab.
7 Tipps für Angehörige
- Bei Warnzeichen eines Schlaganfalls oder eines ersten Krampfanfalls sofort Hilfe rufen.
- Verständnis für Einschränkungen zeigen, Selbstständigkeit aber so weit wie möglich erhalten.
- Bei Epilepsie Erste-Hilfe-Maßnahmen lernen: Ruhe bewahren, Verletzungsgefahr beseitigen, nichts in den Mund stecken, Dauer beobachten.
- Auf Stimmung achten. Depression und Angst sind häufig und behandelbar.
- Eigene Belastung ernst nehmen und Entlastung suchen.
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Schlaganfallzeichen, erster Krampfanfall, plötzliche starke Kopfschmerzen oder Bewusstseinsstörung: sofort 112 und nicht abwarten
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), je nach Erkrankung
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation
- Deutsche Schlaganfall-Hilfe; Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft; Deutsche Epilepsievereinigung