Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Angst führt oft dazu, dass gefürchtete Situationen vermieden werden. Kurzfristig entlastet das, hält die Angst aber langfristig aufrecht. In der Expositionstherapie wird dieser Kreislauf durchbrochen: Man setzt sich der gefürchteten Situation bewusst aus, ohne zu fliehen oder abzusichern, und erlebt, dass die Angst von selbst abnimmt und das Befürchtete nicht eintritt. Man lernt, dass die Situation weniger gefährlich ist als gedacht.
2 Ablauf
- Vorbereitung: Erklärung des Angstkreislaufs und gemeinsame Planung einer Rangliste gefürchteter Situationen
- Exposition in der Realität (in vivo): reale Situationen, zum Beispiel Menschenmengen, Fahrstuhl, Höhe oder soziale Situationen
- Exposition in der Vorstellung: Erinnerungen oder gefürchtete Gedanken werden gedanklich durchlebt
- Bei Zwang: Exposition mit Reaktionsmanagement, also bewusstes Aushalten des Drangs, ohne das Ritual auszuführen
- Üben zwischen den Sitzungen: regelmäßiges Wiederholen ist wichtig
- Dauer: oft wenige bis einige Dutzend Sitzungen
3 Für wen ist es geeignet?
Geeignet bei Panikstörung, Agoraphobie, spezifischen Phobien, sozialer Angst, Zwangsstörung und posttraumatischer Belastungsstörung. Bei Depression und anderen Störungen ist sie weniger üblich.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Die Expositionstherapie gehört zu den am besten belegten Verfahren überhaupt. Leitlinien empfehlen sie bei Angst-, Zwangs- und Traumafolgestörungen als Behandlung der ersten Wahl. Sie wirkt häufig schon nach relativ wenigen Sitzungen, und die Erfolge halten oft lange an.
5 Kosten und Zugang
Die Exposition ist Teil der Verhaltenstherapie und wird deshalb von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Ihre Anwendung hängt von der Ausbildung der Therapeutin oder des Therapeuten ab. Kurze, intensive Programme werden teils in Kliniken angeboten.
6 Grenzen und Risiken
- Das Vorgehen ist anstrengend, weil Angst bewusst ausgehalten wird. Gute Vorbereitung und Begleitung machen es leichter.
- Wer die Übungen abbricht oder sich innerlich absichert, erzielt weniger Wirkung.
- Bei starker Instabilität, Substanzkonsum oder akuter Krise wird zunächst stabilisiert.
- Es ist eine Behandlung für Menschen, die bereit sind, aktiv mitzuarbeiten.
7 Quellen
- S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (AWMF-Register Nr. 051-028)
- S3-Leitlinie Zwangsstörungen (AWMF-Register Nr. 038-017)
- S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (AWMF-Register Nr. 155-001)