Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Die Methode geht auf die Psychologin Francine Shapiro zurück. Betroffene erinnern sich dabei in kleinen Schritten an belastende Erlebnisse, während sie gleichzeitig einer Reizung folgen, zum Beispiel den Fingerbewegungen der Therapeutin oder des Therapeuten oder Tönen. Das soll helfen, die Erinnerung zu verarbeiten, sodass sie weniger belastet.
2 Ablauf
- Vorbereitung und Stabilisierung: Aufklärung, Aufbau von Sicherheit und Beruhigungsstrategien
- Bewertung der Erinnerung: Auswahl einer belastenden Erinnerung und der damit verbundenen Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen
- Verarbeitungsphase: In kurzen Durchgängen folgt der Blick der Reizung, anschließend wird berichtet, was aufgetaucht ist
- Abschluss und Überprüfung: Beruhigung am Ende jeder Sitzung, spätere Kontrolle der Wirkung
- Dauer: oft wenige bis einige Dutzend Sitzungen, je nach Art und Anzahl der Traumata
3 Für wen ist es geeignet?
EMDR ist vor allem bei posttraumatischer Belastungsstörung und Folgen belastender Erlebnisse geeignet. Für andere Störungen wird es teils ergänzend eingesetzt. Bei komplexen oder lange andauernden Traumatisierungen ist zuvor oft eine Stabilisierungsphase nötig, und die Therapie sollte von erfahrenen Fachleuten geführt werden.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Für PTBS ist EMDR gut belegt und wird in der S3-Leitlinie als eine der traumafokussierten Psychotherapien empfohlen. Die Wirksamkeit ist vergleichbar mit der traumafokussierten Verhaltenstherapie. Ob die Augenbewegungen selbst entscheidend sind, wird wissenschaftlich noch diskutiert. Für andere Störungen ist die Studienlage dünner.
5 Kosten und Zugang
EMDR wird im Rahmen einer Richtlinienpsychotherapie (Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Therapie) angeboten und von den Krankenkassen bezahlt, wenn die Therapeutin oder der Therapeut es durchführt. Verzeichnisse von Therapeutinnen und Therapeuten bietet die EMDRIA Deutschland.
6 Grenzen und Risiken
- Die Erinnerungsarbeit kann belastend sein und nach den Sitzungen zu starken Gefühlen und Träumen führen. Eine gute Stabilisierung ist wichtig.
- EMDR ist keine schnelle „Wunderbehandlung“ und ersetzt nicht den Aufbau einer tragfähigen Therapiebeziehung.
- Bei akuter Gefahr, Substanzkonsum oder starker Instabilität wird zuerst stabilisiert.
- Nicht jede Praxis bietet EMDR an. Auf Ausbildung der Therapeutin oder des Therapeuten achten.
7 Quellen
- S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (AWMF-Register Nr. 155-001)
- EMDRIA Deutschland e. V.
- Shapiro, F.: EMDR (Grundlagen und Praxis)