Zitat⚠️ Medikamente nie eigenmächtig ändern oder absetzen. Bitte immer Rücksprache mit Ärztin oder Arzt halten. Dieser Artikel nennt bewusst keine Dosierungen.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Wirkstoff und Handelsnamen
Wichtige Wirkstoffe nach Anwendung, jeweils mit Beispielen:
- Antidementiva bei Demenz: Donepezil (z. B. Aricept), Rivastigmin, Galantamin, Memantin (z. B. Axura, Ebixa)
- Rückfallprophylaxe bei Alkoholabhängigkeit: Acamprosat, Naltrexon
- Substitution bei Opioidabhängigkeit: Methadon, Buprenorphin, Levomethadon
- Rauchentwöhnung: Nikotinersatzpräparate, Vareniclin, Bupropion
- Betablocker (z. B. Propranolol): bei körperlicher Anspannung, Zittern, Auftrittsangst, auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Weitere: Clonidin, Melatonin, Schilddrüsenhormone bei Unterfunktion
2 Wirkstoffgruppe
Sonstige Wirkstoffgruppen: Antidementiva, Anti-Craving-Mittel, Substitutionsmittel, Raucherentwöhnungsmittel und weitere. Sie sind eigenständige Gruppen und haben jeweils eigene Regeln.
3 Anwendungsgebiete
- Demenz vom Alzheimer-Typ (Antidementiva): zur zeitweisen Verbesserung oder Verzögerung der Symptome
- Alkoholabhängigkeit (Acamprosat, Naltrexon): zur Verringerung des Verlangens und Vorbeugung von Rückfällen nach dem Entzug
- Opioidabhängigkeit (Methadon, Buprenorphin): Substitutionsbehandlung unter ärztlicher Aufsicht
- Tabakentwöhnung (z. B. Vareniclin, Nikotinersatz)
- körperliche Anspannungssymptome (Betablocker) und weitere spezielle Indikationen
4 Wirkweise
Die Wirkweisen sind unterschiedlich: Antidementiva erhöhen den Botenstoff Acetylcholin oder dämpfen übermäßige Glutamatwirkung. Substitutionsmittel besetzen die gleichen Rezeptoren wie Opioide, jedoch kontrollierter und ohne Rausch, und stabilisieren so den Alltag. Anti-Craving-Mittel verringern das Verlangen. Betablocker dämpfen körperliche Stressreaktionen wie Herzklopfen und Zittern.
5 Häufige Nebenwirkungen
- Antidementiva: Übelkeit, Durchfall, Schwindel, verlangsamter Herzschlag (Cholinesterasehemmer); Schwindel, Kopfschmerzen (Memantin)
- Naltrexon, Acamprosat: Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen. Naltrexon ist mit Opioiden nicht kombinierbar.
- Substitutionsmittel: Müdigkeit, Verstopfung, Schwitzen, bei Überdosierung oder Kombination mit anderen dämpfenden Mitteln Atemdepression
- Vareniclin, Bupropion: Übelkeit, Schlafstörungen, auffällige Träume; bei seelischen Veränderungen sofort ärztlich melden
- Betablocker: Müdigkeit, niedriger Puls und Blutdruck, kalte Hände
6 Wechselwirkungen
- Bei Substitutionsmitteln ist die Kombination mit Alkohol, Beruhigungs- und Schlafmitteln und weiteren Opioiden besonders gefährlich
- Betablocker können bei Asthma und bestimmten Herzerkrankungen problematisch sein. Vor Einnahme ärztlich klären
- Cholinesterasehemmer können den Herzschlag verlangsamen. Vorsicht mit anderen Mitteln, die den Herzschlag senken
- Alle Mittel bitte bei Verordnung in der Medikamentenliste angeben und bei jedem neuen Medikament Apotheke oder Praxis informieren
7 Absetzen
Die Regeln sind je nach Gruppe verschieden. Substitutionsmittel nie eigenmächtig absetzen, sondern nur in Absprache mit der Substitutionspraxis. Betablocker nicht plötzlich absetzen, wenn sie dauerhaft eingenommen wurden. Antidementiva sollten nicht ohne Besprechung beendet werden, weil sich Symptome verschlechtern können. Anti-Craving-Mittel und Raucherentwöhnungsmittel werden nach Plan beendet.
Mehr dazu in der Lexikon-Kategorie „Absetzen und Wechselwirkungen“ und in den Einträgen „Suchterkrankungen“ und „Demenz und neurokognitive Störungen“.
8 Quellen
- S3-Leitlinie Demenzen (AWMF-Register Nr. 038-013)
- S3-Leitlinie Alkoholbezogene Störungen (AWMF-Register Nr. 076-001)
- Fachinformationen und Gebrauchsinformationen der jeweiligen Wirkstoffe
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)