Zitat⚠️ Medikamente nie eigenmächtig ändern oder absetzen. Bitte immer Rücksprache mit Ärztin oder Arzt halten. Dieser Artikel nennt bewusst keine Dosierungen.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Grundregeln beim Absetzen
Medikamente nicht eigenmächtig absetzen, auch wenn es einem gut geht oder Nebenwirkungen stören. Sprechen Sie vorher mit der behandelnden Praxis. Dort lässt sich oft eine Lösung finden: Wirkstoffwechsel, Anpassung oder ein planvolles Ausschleichen.
- Ausschleichen: Die Menge wird schrittweise und ärztlich begleitet verringert. Wie schnell, hängt vom Wirkstoff, der Dauer der Einnahme und der Verfassung ab.
- Geeigneter Zeitpunkt: nicht in Phasen starker Belastung, beim Umzug, bei Prüfungen oder Krisen
- Begleitung: Ansprechbarkeit für Beschwerden, Termine zur Kontrolle, ein Plan für den Fall, dass Beschwerden zurückkehren
- Dauer der Behandlung: nach Besserung wird die Einnahme oft noch Monate bis Jahre fortgeführt, um Rückfällen vorzubeugen
2 Absetzsymptome oder Rückfall?
Nach dem Absetzen können zwei Dinge passieren, die sich ähnlich anfühlen können:
- Absetzsymptome: treten meist innerhalb von Tagen auf, können körperlich sein (Schwindel, Übelkeit, Missempfindungen, Schlafprobleme, Unruhe) und klingen in der Regel nach einigen Tagen bis Wochen ab
- Rückfall der Erkrankung: Die ursprünglichen Beschwerden kehren in der gewohnten Form zurück, oft erst nach Wochen und Monaten
Die Ärztin oder der Arzt kann einordnen, was vorliegt. Bei starken oder zunehmenden Beschwerden nach dem Absetzen: Kontakt aufnehmen, bei Suizidgedanken sofort Hilfe holen.
3 Besonders wichtige Hinweise nach Gruppen
- Beruhigungs- und Schlafmittel: Entzug kann schwer verlaufen, nur ausschleichen
- Antidepressiva: nicht abrupt absetzen, Ausschleichen verhindert Absetzsymptome
- Antipsychotika und Stimmungsstabilisierer: Absetzen erhöht das Rückfallrisiko, nur in Absprache
- Opioide: Entzugs- und Absetzregeln beachten
- Antiepileptika: Absetzen kann Krampfanfälle auslösen
Details siehe die jeweiligen Einträge der Medikamentengruppen.
4 Wichtige Wechselwirkungen
- Serotoninsyndrom: Kombination mehrerer serotonerger Mittel (z. B. Antidepressiva, Tramadol, Triptane, Johanniskraut). Zeichen: Zittern, Schwitzen, Fieber, Durchfall, Verwirrtheit. Notfall.
- Additive Dämpfung: Alkohol, Beruhigungsmittel, Opioide, Antipsychotika, Antihistaminika und sedierende Antidepressiva verstärken einander. Atemstörung ist möglich.
- Herzrhythmus (QT-Zeit): bestimmte Antipsychotika, Antidepressiva, Antibiotika und weitere Mittel können sich addieren
- Leberenzyme (CYP): manche Wirkstoffe beschleunigen oder verlangsamen den Abbau anderer Medikamente. Beispiele: Carbamazepin, Johanniskraut, Fluoxetin, Paroxetin
- Blutungsrisiko: SSRI/SNRI zusammen mit Gerinnungshemmern oder NSAR
- Antibabypille: kann durch bestimmte Wirkstoffe unwirksam werden oder deren Wirkung verändern
- Alkohol, Rauchen, Grapefruit, Koffein: beeinflussen Wirkung und Abbau mancher Medikamente
5 Hilfen im Alltag
- Alle Medikamente angeben, auch rezeptfreie, pflanzliche und Nahrungsergänzungsmittel, bei jeder Praxis und Apotheke
- Medikationsplan: Wer dauerhaft mindestens drei verordnete Medikamente einnimmt, hat Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan. Er hilft, den Überblick zu behalten.
- Apotheke: kann Wechselwirkungen prüfen und Fragen zur Einnahme beantworten
- Schwangerschaft und Stillzeit: Beratung über Embryotox (embryotox.de), nie auf eigene Faust absetzen
- Nebenwirkungen notieren: ein kurzes Tagebuch hilft bei der Besprechung in der Praxis
6 Wann sofort Hilfe nötig ist
- Verdacht auf Überdosierung oder Vergiftung: Notruf 112 oder regionale Giftnotrufzentrale
- Verdacht auf Serotoninsyndrom, schwere Allergie, Atemnot, Ohnmacht, Krampfanfall: Notruf 112
- neue oder stärker werdende Suizidgedanken: Notruf 112, Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
7 Quellen
- Gebrauchsinformationen und Fachinformationen der jeweiligen Wirkstoffe
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
- Embryotox: Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie
- S3-Leitlinien der AWMF zu den jeweiligen Erkrankungen