Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel spricht Substanzkonsum und Abhängigkeit an.
1 Kurzüberblick
Alkohol ist die in Deutschland am häufigsten missbrauchte Substanz. Abhängigkeit entsteht schleichend und betrifft Menschen jedes Alters und jeder Schicht.
2 Symptome
- starker Wunsch oder Zwang zu trinken, Kontrollverlust
- Entzugssymptome wie Zittern, Schwitzen, Unruhe, Schlafstörungen
- Toleranzentwicklung: immer mehr für die gleiche Wirkung
- Vernachlässigung von Beruf, Beziehungen und Interessen
- Weitertrinken trotz körperlicher und sozialer Folgen
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Wirkung und Verfügbarkeit der Substanz oder des Verhaltens, Veränderung des Belohnungssystems im Gehirn
- Person: erbliche Einflüsse, früher Konsumbeginn, Stressbewältigung, psychische Erkrankungen (Konsum als Selbstbehandlung)
- Umfeld: Verfügbarkeit, Gruppendruck, belastende Lebensumstände
4 Diagnostik
- Gespräch über Konsum, Folgen und Entzug, ohne Verurteilung
- Screening-Fragebögen (z. B. AUDIT bei Alkohol)
- körperliche Untersuchung und Laborwerte, um Folgeschäden und Entzugsrisiken einzuschätzen
- Prüfung weiterer psychischer Erkrankungen (Doppeldiagnose)
5 Behandlung
- Entgiftung: Der Entzug kann lebensgefährlich sein und erfolgt unter ärztlicher Aufsicht
- Entwöhnung: Psychotherapie, ambulant oder stationär (Rehabilitation)
- Nachsorge: Selbsthilfegruppen, Suchtberatung
- Medikamente zur Rückfallvorbeugung, z. B. Acamprosat oder Naltrexon, nach ärztlicher Entscheidung
- Motivierende Gesprächsführung und Rückfallprävention
6 Verlauf und Prognose
Rückfälle sind häufig und bedeuten nicht, dass die Behandlung gescheitert ist. Viele Menschen werden mit Behandlung und Nachsorge dauerhaft abstinent.
7 Tipps für Angehörige
- Sorgen ehrlich und ohne Vorwurf ansprechen
- Konsum nicht decken, entschuldigen oder Folgen abnehmen
- Klare Grenzen setzen und einhalten
- Auf Co-Abhängigkeit achten und eigene Hilfe holen, zum Beispiel bei Suchtberatungsstellen oder Angehörigengruppen
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Bei Überdosierung, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder schwerem Entzug: sofort 112
- Suchtberatungsstellen findest du über das Suchthilfeverzeichnis (suchthilfeverzeichnis.de) oder die Hausarztpraxis.
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- S3-Leitlinie Alkoholbezogene Störungen (AWMF-Register Nr. 076-001)
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)