Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Kurzüberblick
Das Immunsystem schützt den Körper vor Krankheitserregern. Bei Autoimmunerkrankungen greift es fälschlich körpereigenes Gewebe an. Rheumatische Erkrankungen betreffen vor allem Gelenke, Muskeln, Sehnen und Bindegewebe, können aber auch innere Organe angreifen.
Beispiele sind:
- rheumatoide Arthritis (Gelenkentzündung)
- systemischer Lupus erythematodes (Organbeteiligung)
- Psoriasis und Psoriasis-Arthritis (Haut und Gelenke)
- Morbus Bechterew (Wirbelsäule)
- Sjögren-Syndrom (trockene Augen und Mund)
- Hashimoto-Thyreoiditis (Schilddrüse), Multiple Sklerose und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen werden in eigenen Einträgen behandelt
Viele dieser Erkrankungen betreffen Frauen häufiger. Sie sind keine Folge von Schwäche oder falschem Lebensstil.
2 Symptome
- Gelenkschmerzen und -schwellungen, besonders Morgensteifigkeit, die länger als eine halbe Stunde anhält
- ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Fieber, Gewichtsverlust, Nachtschweiß in Krankheitsschüben
- Hautveränderungen, Lichtempfindlichkeit, Haarausfall, Mundtrockenheit
- Beteiligung innerer Organe je nach Erkrankung (z. B. Nieren, Lunge)
- Stimmungstief, Angst, Konzentrationsprobleme
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Fehlgesteuertes Immunsystem: Abwehrzellen und Antikörper richten sich gegen den eigenen Körper
- Veranlagung: erbliche Faktoren spielen eine Rolle
- Auslöser und Risikofaktoren: z. B. Rauchen, Infektionen, hormonelle Einflüsse, Stress, Übergewicht
Die genaue Entstehung ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt.
4 Diagnostik
Zuständig sind die Hausarztpraxis und Fachärztinnen und Fachärzte für Rheumatologie. Die Abklärung umfasst:
- Gespräch und körperliche Untersuchung der Gelenke und Organe
- Blutuntersuchungen auf Entzündungswerte und Autoantikörper (z. B. Rheumafaktor, ANA)
- Bildgebung wie Ultraschall, Röntgen oder MRT
Eine frühe Diagnose ist wichtig, weil frühe Behandlung bleibende Schäden verhindern kann.
5 Behandlung
- Basistherapie: Medikamente, die das Immunsystem dämpfen oder die Entzündung hemmen (z. B. Methotrexat, Biologika), die Schübe verringern und Schäden vorbeugen
- Akute Entzündung und Schmerzen: entzündungshemmende Schmerzmittel, kurzzeitig Kortison. Kortison kann die Stimmung verändern und sollte mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.
- Bewegung, Physiotherapie und Ergotherapie: Beweglichkeit erhalten, Gelenke schützen
- Ernährung, Rauchstopp, Impfberatung
- Psychische Unterstützung: Psychotherapie und Schmerzbewältigung bei Depression, Angst und Fatigue
6 Verlauf und Prognose
Autoimmun- und rheumatische Erkrankungen sind meist chronisch und verlaufen oft in Schüben mit beschwerdearmen Zeiten dazwischen. Mit früher und konsequenter Behandlung lassen sich Entzündungen heute bei vielen Betroffenen gut kontrollieren, und viele leben mit wenig Einschränkungen. Regelmäßige Kontrollen sind wichtig.
7 Tipps für Angehörige
- Die unsichtbare Erschöpfung und Schmerzen ernst nehmen. Von außen sieht man sie oft nicht.
- Flexibel auf gute und schlechte Tage reagieren.
- Bei Schüben im Alltag entlasten, ohne zu bevormunden.
- Zur Einnahme der Medikamente und zu Kontrollterminen ermutigen.
- Selbsthilfegruppen, zum Beispiel der Deutschen Rheuma-Liga, können auch Angehörige entlasten.
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh), je nach Erkrankung
- Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation