Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Die Schematherapie wurde von Jeffrey Young entwickelt. Schemata sind feste Muster aus Gedanken, Gefühlen und Verhalten, die früh im Leben entstehen, wenn Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Zuwendung oder Anerkennung nicht erfüllt wurden, zum Beispiel „Ich bin nicht liebenswert“. Die Therapie hilft, diese Muster und die dazugehörigen inneren Anteile (Modi) zu erkennen und zu verändern.
2 Ablauf
- Erkennen der eigenen Schemata und Modi, etwa des „verletzten Kindes“, des „inneren Kritikers“ oder des „gesunden Erwachsenen“
- Erlebnisorientierte Methoden wie Imagination, Stuhldialoge und Rollenspiele
- Therapeutische Beziehung als „begrenztes Nachbeeltern“: Die Therapeutin oder der Therapeut geht auf unerfüllte Bedürfnisse ein, in angemessenen Grenzen
- Üben neuer Verhaltensweisen im Alltag
- Dauer meist ein bis mehrere Jahre, auch in Gruppen angeboten
3 Für wen ist es geeignet?
Geeignet bei Persönlichkeitsstörungen, insbesondere Borderline, bei chronischen Depressionen, wiederkehrenden Beziehungsproblemen und Lebensmustern, die sich trotz anderer Therapien nicht verändert haben. Auch bei Essstörungen und Traumafolgen wird sie ergänzend eingesetzt.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Studien zeigen gute Wirkung bei Borderline-Störung und weiteren Persönlichkeitsstörungen, teils mit höherer Abbruchfestigkeit als andere Verfahren. Bei chronischer Depression gibt es positive Hinweise. Die Studienlage wächst, ist aber kleiner als bei klassischer Verhaltenstherapie.
5 Kosten und Zugang
Die Schematherapie wird im Rahmen der Verhaltenstherapie abgerechnet und von den Kassen bezahlt, wenn die Therapeutin oder der Therapeut sie anbietet. Es gibt noch nicht überall Praxen mit Schwerpunkt, und Wartezeiten sind möglich. Verzeichnisse bieten die schematherapeutischen Fachgesellschaften.
6 Grenzen und Risiken
- Die emotionale Arbeit kann zeitweise belastend sein.
- Die Therapie braucht Zeit und eine tragfähige Beziehung.
- Nicht jede Praxis ist darin ausgebildet. Auf Qualifikation achten.
- Bei akuten Krisen oder starken Symptomen sind ergänzende Maßnahmen nötig.
7 Quellen
- S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (AWMF-Register Nr. 038-015)
- Young, J. E.; Klosko, J. S.; Weishaar, M. E.: Schematherapie
- Deutschsprachige Gesellschaft für Schematherapie (DGST)