Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Psychotherapie hilft, seelische Beschwerden zu verstehen und zu verändern. Sie arbeitet mit Gesprächen, Übungen und neuen Erfahrungen. Die vier Verfahren, die in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden, sind:
- Verhaltenstherapie (VT): arbeitet mit dem Zusammenhang von Gedanken, Gefühlen und Verhalten. Betroffene lernen hilfreiche Denk- und Handlungsweisen und üben sie im Alltag (z. B. Konfrontation bei Angst, Aktivitätsaufbau bei Depression).
- Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP): betrachtet, wie aktuelle Probleme mit früheren Erfahrungen und unbewussten Konflikten zusammenhängen, mit Fokus auf einem begrenzten Thema.
- Analytische Psychotherapie: arbeitet länger und intensiver an unbewussten Mustern und der Persönlichkeit, oft mehrere Sitzungen pro Woche.
- Systemische Therapie: betrachtet den Menschen im Zusammenhang mit seinem Umfeld, etwa Familie und Beziehungen, und sucht Lösungen im System. Für Erwachsene ist sie seit 2020 Kassenleistung.
2 Ablauf
Der Weg zur Therapie verläuft meist so:
- Psychotherapeutische Sprechstunde: erste Einschätzung, ob und welche Behandlung sinnvoll ist. Der Termin ist auch ohne Überweisung möglich.
- Probatorische Sitzungen: einige Kennenlern- und Abklärungssitzungen, in denen beide prüfen, ob die Chemie passt.
- Antrag bei der Krankenkasse durch die Therapeutin oder den Therapeuten
- Behandlung: meist ein Termin pro Woche von etwa 50 Minuten. Als Kurzzeittherapie oder Langzeittherapie, je nach Erkrankung
- Abschluss und Nachsorge: Rückfallvorbeugung und gegebenenfalls Auffrischungssitzungen
Wichtig für den Erfolg ist die Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten. Es ist in Ordnung, nach den Probesitzungen zu wechseln.
3 Für wen ist es geeignet?
Psychotherapie hilft bei vielen Erkrankungen, zum Beispiel Depression, Angst- und Zwangsstörungen, Traumafolgen, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen und in Lebenskrisen. Welches Verfahren am besten passt, hängt von der Erkrankung, den persönlichen Zielen und der Passung ab:
- Bei Angst-, Zwangs- und depressiven Störungen hat die Verhaltenstherapie die breiteste Studienlage.
- Bei wiederkehrenden Beziehungsmustern oder länger zurückreichenden Konflikten werden oft tiefenpsychologische oder analytische Verfahren gewählt.
- Wenn Familie oder Partnerschaft im Mittelpunkt stehen, kann die systemische Therapie passen.
Auch Kinder, Jugendliche, Paare und Gruppen können psychotherapeutisch behandelt werden.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Die Wirksamkeit von Psychotherapie ist gut belegt. Verhaltenstherapie ist für viele Erkrankungen am besten untersucht. Tiefenpsychologische und analytische Verfahren und systemische Therapie sind für viele Bereiche ebenfalls wirksam, die Studienlage ist je nach Erkrankung unterschiedlich. Insgesamt unterscheiden sich die anerkannten Verfahren bei vielen Erkrankungen weniger in ihrer Wirkung, als man vermuten würde. Entscheidend sind eine tragfähige Beziehung, die Motivation und eine zur Erkrankung passende Methode. Leitlinien empfehlen Psychotherapie bei vielen Erkrankungen als erste Wahl oder in Kombination mit Medikamenten.
5 Kosten und Zugang
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Richtlinienverfahren vollständig, ohne Zuzahlung. Private Krankenversicherungen und Beihilfe erstatten je nach Tarif.
- Termine vermittelt die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (Telefon 116 117), auch für Erstgespräche.
- Die Wartezeit auf einen Therapieplatz kann lang sein. Hilfreich sind Anfragen bei mehreren Praxen und das Führen einer Liste.
- Wenn trotz intensiver Suche kein Kassenplatz gefunden wird, ist in begründeten Fällen eine Kostenerstattung für eine Therapie in einer Privatpraxis möglich. Dazu vorher Antrag bei der Krankenkasse stellen.
- Weitere Infos zur Suche finden sich in der Lexikon-Kategorie „Therapeutensuche und Wartezeiten“.
6 Grenzen und Risiken
- Psychotherapie braucht Zeit und Mitarbeit. Anfangs kann es sich belastend anfühlen, weil schwierige Themen besprochen werden.
- Nicht jede Methode passt zu jedem Menschen und jeder Erkrankung. Bei fehlender Besserung nach einer angemessenen Zeit sollte dies offen angesprochen werden.
- Bei akuten Krisen, schweren Erkrankungen oder sehr starken Beschwerden kann zusätzlich oder zunächst eine Behandlung mit Medikamenten oder in einer Klinik nötig sein.
- Wichtig: Die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ ist geschützt. Seriöse Anbieter haben eine staatliche Approbation.
7 Quellen
- Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)
- S3-Leitlinien der AWMF zu Depression, Angst- und Zwangsstörungen
- Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK): Informationen zu Verfahren und Therapiesuche