Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Die analytische Psychotherapie geht auf Sigmund Freud zurück. Sie geht davon aus, dass frühe Erfahrungen und unbewusste Konflikte das Erleben und Verhalten bis heute prägen. In freien Einfällen, Träumen und der Beziehung zur Analytikerin oder zum Analytiker werden diese Muster sichtbar und bearbeitet. Ziel ist eine tiefgreifende Veränderung der Persönlichkeit und der Beziehungsgestaltung.
2 Ablauf
- Mehrere Sitzungen pro Woche, meist zwei bis drei, jeweils etwa 50 Minuten
- Häufig im Liegen auf der Couch, sodass die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet wird. Auch im Sitzen möglich.
- Offenes Erzählen aller Einfälle (freie Assoziation), Deutung durch die Analytikerin oder den Analytiker
- Dauer in der Regel mehrere Jahre
3 Für wen ist es geeignet?
Geeignet bei lang bestehenden, tief verwurzelten Problemen, wiederkehrenden Beziehungsmustern, Persönlichkeitsproblemen, chronischen Depressionen oder wenn andere Verfahren nicht ausreichend geholfen haben. Voraussetzung sind Zeit, Stabilität im Alltag und die Bereitschaft, sich auf einen längeren inneren Prozess einzulassen.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Studien zeigen Wirkung bei chronischen und komplexen Störungen, besonders mit nachhaltigem Nutzen nach Therapieende. Die Studienlage ist weniger umfangreich als bei der Verhaltenstherapie, und die Verfahren sind schwer direkt vergleichbar. Für viele Erkrankungen gilt die Wirksamkeit als belegt.
5 Kosten und Zugang
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten vollständig. Die Behandlung wird als Langzeittherapie beantragt. Wartezeiten sind bei Analytikerinnen und Analytikern oft lang, weil Plätze selten frei werden.
6 Grenzen und Risiken
- Der Aufwand an Zeit und Terminen ist hoch. Mehrere Sitzungen pro Woche müssen mit Alltag und Beruf vereinbar sein.
- Wenig geeignet bei akuten Krisen, schweren Symptomen oder wenn schnelle Hilfe nötig ist.
- Der Prozess ist weniger direktiv. Wer konkrete Strategien sucht, ist oft besser mit anderen Verfahren bedient.
- Die Aufarbeitung kann zeitweise belastend sein.
7 Quellen
- S3-Leitlinien der AWMF zu Depression und Persönlichkeitsstörungen
- Psychotherapie-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)
- Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)