Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Selbsthilfe bedeutet, dass Betroffene und Angehörige sich gegenseitig unterstützen. Dazu gehören:
- Selbsthilfegruppen: regelmäßige Treffen von Menschen mit gleicher Erkrankung oder Belastung, ohne professionelle Leitung
- Angehörigengruppen: Austausch für Familie, Partner und Freunde
- Peer-Beratung und Genesungsbegleitung (z. B. EX-IN): Menschen mit eigener Krankheitserfahrung, die dazu ausgebildet sind, andere zu begleiten
- Online-Angebote und Foren: Austausch unabhängig von Ort und Zeit, auch anonym möglich
- Selbsthilfekontaktstellen: vermitteln Gruppen und beraten bei der Gründung
2 Ablauf
- Selbsthilfegruppen treffen sich meist wöchentlich bis monatlich, vor Ort oder online. Neue Mitglieder können oft unverbindlich vorbeischauen.
- Gesprächsregeln wie Vertraulichkeit, Zuhören und das Gleichgewicht von Reden und Zuhören sorgen für einen geschützten Rahmen
- Peer-Begleitung kann einzeln oder in Gruppen stattfinden, in Kliniken, Beratungsstellen oder gemeindepsychiatrischen Einrichtungen
- Eine Kontaktstelle (z. B. über die NAKOS, die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen) hilft bei der Suche
3 Für wen ist es geeignet?
- für alle, die sich mit ihrer Erkrankung allein fühlen oder sich Austausch mit Menschen mit ähnlichen Erfahrungen wünschen
- zur Stabilisierung nach einer Therapie oder einem Klinikaufenthalt
- bei chronischen Erkrankungen, Sucht, Depression, Angst, Zwängen, Trauer und vielen weiteren Belastungen
- für Angehörige, die Orientierung und Entlastung suchen
4 Wirksamkeit und Evidenz
Selbsthilfe ersetzt keine Behandlung, wirkt aber ergänzend. Studien zeigen, dass der Austausch mit anderen Betroffenen das Gefühl von Einsamkeit verringert, Hoffnung gibt, das Wissen über die Erkrankung erhöht und die Selbstwirksamkeit stärkt. Bei Sucht gelten Selbsthilfegruppen als wichtiger Bestandteil der Nachsorge. Peer-Begleitung wird in Leitlinien zur Versorgung schwerer psychischer Erkrankungen als sinnvolle Ergänzung empfohlen.
5 Kosten und Zugang
- Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen ist in der Regel kostenlos.
- Selbsthilfegruppen und Kontaktstellen werden von den Krankenkassen gefördert.
- Ausgebildete Genesungsbegleitung ist ein wachsendes Berufsfeld und wird in manchen Einrichtungen angeboten.
- Ein Foren-Austausch ist meist kostenlos.
6 Grenzen und Risiken
- Selbsthilfe ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei schweren Beschwerden oder Krisen ist professionelle Hilfe nötig.
- Gruppen unterscheiden sich in Stil und Qualität. Es kann dauern, die passende zu finden. Es ist in Ordnung, wieder zu gehen.
- Im Austausch können belastende Geschichten andere herunterziehen. Auf die eigenen Grenzen achten.
- In Online-Foren sind Ratschläge zu Medikamenten oder Diagnosen nicht geübte Fachberatung. Medikamente nie auf Grund von Forenratschlägen absetzen.
7 Quellen
- NAKOS: Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen
- S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen (DGPPN, AWMF-Register Nr. 038-020)
- Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK)