Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Spezielle Methoden erweitern die Grundverfahren (vor allem die Verhaltenstherapie) um gezielte Techniken für bestimmte Problembereiche. Häufige Beispiele:
- Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): entwickelt für Borderline-Störungen. Vermittelt Fertigkeiten (Skills) zum Umgang mit starken Gefühlen, Spannungszuständen, Selbstverletzung und Beziehungen, mit Einzel- und Gruppentherapie.
- EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing): Methode zur Verarbeitung belastender Erinnerungen, vor allem bei Traumafolgestörungen. Die Erinnerung wird unter gleichzeitiger geführter Augenbewegung oder anderer Stimulation bearbeitet.
- Schematherapie: arbeitet mit tief verwurzelten Mustern („Schemata“) aus der Lebensgeschichte, vor allem bei Persönlichkeitsstörungen und chronischen Depressionen.
- Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT): fördert den akzeptierenden Umgang mit belastenden Gedanken und Gefühlen und das Handeln nach eigenen Werten.
- Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT): stärkt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle und Absichten zu verstehen, vor allem bei Borderline.
- Achtsamkeitsbasierte Verfahren und CBASP: z. B. zur Vorbeugung von Depressionsrückfällen und bei chronischer Depression
2 Ablauf
Spezielle Methoden werden meist in eine Psychotherapie eingebettet. Typischer Aufbau:
- Klare Absprache von Ziel und Vorgehen in den ersten Sitzungen
- Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten, oft mit Übungen zwischen den Sitzungen
- Bei DBT zusätzlich ein Skillstraining in der Gruppe und Erreichbarkeit für Krisen
- Bei EMDR zunächst Stabilisierung, dann Bearbeitung der belastenden Erinnerung in kurzen, begleiteten Schritten
- Je nach Verfahren mehrere Monate bis etwa ein Jahr oder länger
Spezialisierte Angebote gibt es in manchen Praxen, Ambulanzen und Kliniken, teilweise mit Wartezeit.
3 Für wen ist es geeignet?
- DBT: Borderline-Persönlichkeitsstörung, starke Gefühlsregulationsprobleme, Selbstverletzung
- EMDR: posttraumatische Belastungsstörung und andere Folgen belastender Erlebnisse
- Schematherapie: Persönlichkeitsstörungen, chronische Depression, wiederkehrende Beziehungsmuster
- ACT: Depression, Angst, chronische Schmerzen und Belastungen im Alltag
- MBT: Borderline und Störungen mit Schwierigkeiten im Beziehungserleben
Eine fachliche Einschätzung hilft bei der Auswahl, welche Methode zu den eigenen Beschwerden passt.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Die Wirksamkeit ist je nach Methode und Erkrankung unterschiedlich gut belegt:
- DBT ist bei Borderline-Störungen gut untersucht und in der Leitlinie empfohlen.
- EMDR und traumafokussierte Verhaltenstherapie sind bei PTBS gut belegt und leitlinienkonform.
- Schematherapie und MBT zeigen bei Persönlichkeitsstörungen gute Ergebnisse, die Studienlage wächst.
- ACT und achtsamkeitsbasierte Verfahren sind bei Depression und Angst wirksam, besonders ergänzend und zur Vorbeugung.
Wichtig ist die Passung zwischen Erkrankung und Methode. Seriöse Anbieter erklären Nutzen, Grenzen und Ablauf offen.
5 Kosten und Zugang
Diese Methoden sind keine eigenständigen Kassenverfahren, werden aber im Rahmen der übernommenen Richtlinienverfahren (vor allem Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Therapie) abgerechnet, wenn die Therapeutin oder der Therapeut sie anbietet. Die Kosten tragen dann die Krankenkassen. Zusätzliche Kurse oder Trainings, die außerhalb der Kassenleistung angeboten werden, können selbst zu bezahlen sein. Vorher bei der Krankenkasse nachfragen.
6 Grenzen und Risiken
- Nicht jede Methode wird von jeder Praxis angeboten. Wartezeiten können länger sein.
- Traumatherapie und DBT können anfangs belastend sein und brauchen Stabilität und gute Begleitung.
- EMDR ist keine „Wunderbehandlung“ und ersetzt nicht Stabilisierung und Therapiebeziehung.
- Bei akuten Krisen, Suizidgedanken oder starker Instabilität geht die Sicherheit vor. Dann kann zunächst eine Krisenintervention oder stationäre Behandlung sinnvoll sein.
7 Quellen
- S3-Leitlinie Borderline-Persönlichkeitsstörung (AWMF-Register Nr. 038-015)
- S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (AWMF-Register Nr. 155-001)
- Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)