Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel spricht Selbstverletzung und Suizidgedanken an. Er beschreibt keine Methoden.
1 Kurzüberblick
Es beginnt oft in der Pubertät und tritt bei verschiedenen Erkrankungen auf, etwa Depression, Borderline oder Essstörungen. Das Verhalten dient oft dazu, innere Anspannung, Leere oder Schmerz zu regulieren. Es ist ein ernstes Warnzeichen, aber behandelbar.
2 Symptome
- Schneiden, Ritzen, Verbrennen oder andere Verletzungen der Haut
- Verbergen der Verletzungen, Scham, Rückzug
- Anspannung vor und Erleichterung nach der Verletzung
- Selbstverletzung als Umgang mit Gefühlen oder Leere
- teils zusätzlich Suizidgedanken
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Anlage und Veranlagung, Besonderheiten der Hirnentwicklung
- Umwelt: belastende Erlebnisse, Konflikte, Trennung der Eltern, Mobbing, Leistungsdruck
- Familie und Umfeld, psychische Erkrankung eines Elternteils
- Entwicklungsübergänge wie Pubertät und Schulwechsel
4 Diagnostik
- Gespräche mit Kind oder Jugendlichem und den Eltern, getrennt und gemeinsam
- Verhaltensbeobachtung und Berichte aus Schule oder Kita
- Entwicklungs- und Leistungstests, Fragebögen
- körperliche Untersuchung, um körperliche Ursachen auszuschließen
5 Behandlung
- Psychotherapie, besonders DBT für Jugendliche und Verhaltenstherapie
- Skills zur Spannungsregulation und alternative Strategien
- Einbeziehung der Eltern, Behandlung begleitender Depression, Angst, Essstörung
- stationäre Behandlung in Krisen
6 Verlauf und Prognose
Mit Behandlung gelingt es vielen Betroffenen, das Verhalten deutlich zu verringern oder zu beenden. Rückfälle bei starkem Stress sind möglich.
7 Tipps für Angehörige
- Ruhig bleiben und ohne Vorwurf das Gespräch suchen
- Eltern sind nicht „schuld“. Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Verantwortung.
- Schule, Kinderarztpraxis und Beratungsstellen früh einbeziehen
- Auf Geschwister achten und selbst Entlastung suchen
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Bei starken Verletzungen oder Suizidgedanken: sofort 112 oder die nächste Notaufnahme
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111 (kostenlos)
- Elterntelefon: 0800 111 0 550 (kostenlos)
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
- Leitlinien der AWMF zu psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation