Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel spricht Selbstverletzung und Suizidgedanken bei Kindern und Jugendlichen an.
1 Kurzüberblick
Psychische Erkrankungen beginnen oft schon in Kindheit und Jugend. Zu den häufigen Themen zählen ADHS, Angst- und Zwangsstörungen, Depression, Essstörungen, Autismus-Spektrum-Störungen, Tic-Störungen, Traumafolgen, Verhaltensauffälligkeiten und Selbstverletzung. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie ist darauf spezialisiert.
Kinder und Jugendliche zeigen seelische Not oft anders als Erwachsene: durch Rückzug, Wutausbrüche, Bauchweh, Leistungsabfall oder Schulverweigerung.
2 Symptome
Mögliche Warnzeichen, vor allem wenn sie länger anhalten oder den Alltag beeinträchtigen:
- deutliche Veränderung von Stimmung, Verhalten oder Persönlichkeit
- Rückzug von Freunden und Hobbys, Leistungsabfall, Schulangst oder Schulverweigerung
- anhaltende Ängste, Traurigkeit, Gereiztheit oder starke Wutausbrüche
- Schlaf- oder Essprobleme, körperliche Beschwerden ohne Befund
- Selbstverletzung, Aussagen über Hoffnungslosigkeit oder Suizid
- Substanzkonsum, riskantes oder aggressives Verhalten
Nicht jedes auffällige Verhalten ist eine Erkrankung. Phasen, in denen Kinder und besonders Jugendliche aufbrausend oder zurückgezogen sind, gehören zur Entwicklung. Entscheidend sind Dauer, Ausmaß und Leidensdruck.
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Anlage: erbliche Einflüsse und Besonderheiten der Hirnentwicklung
- Umwelt: belastende Erlebnisse wie Gewalt, Vernachlässigung, Trennung der Eltern, Verlust, Mobbing, Leistungsdruck
- Familie und Umfeld: psychische Erkrankung eines Elternteils, Konflikte, Armut
- Entwicklungsübergänge: Pubertät, Schulwechsel, Krisen
4 Diagnostik
Erste Anlaufstellen sind Kinder- und Jugendärztin oder -arzt, Erziehungsberatungsstellen, Schulpsychologie, Sozialpädiatrische Zentren sowie Praxen und Ambulanzen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Die Diagnostik umfasst:
- Gespräche mit Kind oder Jugendlichem und den Eltern, getrennt und gemeinsam
- Verhaltensbeobachtung und Berichte aus Schule oder Kita
- Entwicklungs- und Leistungstests, Fragebögen
- körperliche Untersuchung, um körperliche Ursachen auszuschließen
Jugendliche haben mit zunehmendem Alter ein wachsendes Mitspracherecht bei Untersuchung und Behandlung.
5 Behandlung
- Beratung und Elternarbeit: Erziehungsberatung, Elterntraining, Familientherapie
- Psychotherapie: altersgerechte Verfahren, bei Kindern oft spielerisch
- Medikamente: nur nach sorgfältiger Abwägung durch Fachärztinnen und Fachärzte, zum Beispiel bei ADHS oder schweren Depressionen
- Teilstationäre oder stationäre Behandlung: in Tagesklinik oder Klinik bei schweren Erkrankungen oder Krisen
- Hilfen in Schule und Jugendhilfe: Nachteilsausgleich, Schulbegleitung, Jugendhilfemaßnahmen
6 Verlauf und Prognose
Viele psychische Auffälligkeiten im Kindesalter gehen mit Hilfe vorübergehend zurück. Je früher Unterstützung beginnt, desto besser. Manche Erkrankungen begleiten ins Erwachsenenalter, dann kann der Übergang in die Erwachsenenpsychiatrie gemeinsam geplant werden.
7 Tipps für Angehörige
- Ruhig bleiben und ohne Vorwurf das Gespräch suchen. Zuhören ist wichtiger als Lösungen.
- Eltern sind nicht „schuld“. Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Verantwortung.
- Suizidgedanken direkt ansprechen. Fragen macht sie nicht schlimmer.
- Schule, Hausarzt und Beratungsstellen früh einbeziehen.
- Auf Geschwister achten und selbst Entlastung suchen, zum Beispiel in Elterngruppen.
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111 (kostenlos)
- Elterntelefon: 0800 111 0 550 (kostenlos)
- Bei akuter Selbstgefährdung: nächste kinder- und jugendpsychiatrische Klinik oder Notruf 112
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP)
- Leitlinien der AWMF zu psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter (je nach Erkrankung)
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation