Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Bei der Neurostimulation wird die Aktivität bestimmter Hirnregionen gezielt beeinflusst:
- Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Unter Kurznarkose und Muskelentspannung wird mit kurzen Stromimpulsen ein kontrollierter, therapeutischer Krampfanfall im Gehirn ausgelöst. Sie ist keine Strafe und hat nichts mit den Darstellungen in Filmen zu tun.
- Repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS): Eine Magnetspule am Kopf erzeugt wiederholte Magnetimpulse, die Nervenzellen in bestimmten Hirnbereichen anregen. Keine Narkose nötig.
- Weitere Verfahren (z. B. tDCS, Vagusnervstimulation, Tiefe Hirnstimulation) werden in besonderen Situationen oder im Rahmen von Studien eingesetzt.
2 Ablauf
EKT:
- vorherige Untersuchungen (körperlich, Narkosefähigkeit) und Aufklärung mit schriftlicher Einwilligung
- Behandlung mehrmals pro Woche über einige Wochen, jeweils in Narkose, mit Überwachung. Sie dauert wenige Minuten, anschließend kurze Erholungsphase.
- danach oft Erhaltungstherapie, mit Medikamenten oder weiteren EKT-Sitzungen
rTMS:
- tägliche Sitzungen über mehrere Wochen, ambulant, jeweils etwa 20 bis 40 Minuten
- Sie sitzen wach im Stuhl. Beim Impuls ist ein Klopfen am Kopf zu spüren.
3 Für wen ist es geeignet?
- EKT: schwere Depressionen, besonders wenn Medikamente und Psychotherapie nicht geholfen haben, bei Wahn, starker Suizidalität, Nahrungsverweigerung, bestimmten Formen der Katatonie und schweren Manien
- rTMS: Depressionen, die auf mehrere Medikamente nicht ausreichend angesprochen haben, bei Patienten, die Medikamente nicht vertragen
Welche Verfahren infrage kommen, entscheidet eine Fachklinik nach sorgfältiger Untersuchung. Ausschlussgründe und Risiken werden individuell geprüft.
4 Wirksamkeit und Evidenz
Die EKT gilt bei schweren, behandlungsresistenten Depressionen als eine der wirksamsten Behandlungen, mit häufig raschem Ansprechen auch bei sonst schwer behandelbaren Verläufen. Nach einer erfolgreichen Akutbehandlung ist eine Weiterbehandlung wichtig, um Rückfällen vorzubeugen. Die rTMS ist bei Depression wirksam, in der Regel weniger stark als die EKT, dafür gut verträglich. Leitlinien empfehlen beide Verfahren bei entsprechender Indikation.
5 Kosten und Zugang
- Die Kosten für EKT trägt bei medizinischer Notwendigkeit die Krankenkasse im Rahmen einer stationären oder teilstationären Behandlung.
- Bei rTMS hängt die Kostenübernahme von der Indikation und der jeweiligen Kasse ab. Vorher bei Klinik oder Kasse nachfragen. Angeboten wird sie vor allem in Universitätskliniken und spezialisierten Zentren, teilweise mit Wartezeit.
- Aufklärung und Einwilligung sind immer erforderlich. Man kann Fragen stellen und die Zustimmung jederzeit zurückziehen.
6 Grenzen und Risiken
- EKT: mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelschmerzen, vorübergehende Verwirrtheit sowie Gedächtnisstörungen, die meist abklingen, in seltenen Fällen aber länger anhalten können. Dazu kommen die Risiken der Narkose.
- rTMS: mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Missempfinden an der Kopfhaut und, sehr selten, ein Krampfanfall.
- Nicht jede Person spricht an. Der Effekt hält nicht dauerhaft ohne Weiterbehandlung an.
- Nicht geeignet bei bestimmten körperlichen Erkrankungen oder Implantaten. Das wird vorher geprüft.
7 Quellen
- S3-Leitlinie Unipolare Depression (Nationale VersorgungsLeitlinie): Empfehlungen zu EKT und rTMS
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)
- Informationen der Bundesärztekammer zur Durchführung der Elektrokonvulsionstherapie