Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Was ist das?
Seelische Erkrankungen betreffen nie nur eine Person. In der Paar- und Familientherapie arbeiten Therapeutin oder Therapeut mit mehreren Beteiligten gemeinsam: mit dem Paar, mit Eltern und Kindern oder der ganzen Familie. Es geht um Kommunikation, Rollen, Konflikte und gegenseitige Unterstützung. Die Erkrankung eines Familienmitglieds wird auch als gemeinsame Aufgabe verstanden.
2 Ablauf
- Gemeinsame Gespräche mit den Beteiligten, manchmal auch Einzelgespräche zwischendurch
- Klärung der Anliegen aller Beteiligten und gemeinsame Ziele
- Methoden aus systemischer, verhaltenstherapeutischer und tiefenpsychologischer Arbeit, zum Beispiel Kommunikationsübungen und Familiengerüste
- Bei Essstörungen von Jugendlichen: familienbasierte Behandlung, bei der Eltern aktiv eingebunden werden
- Dauer je nach Anliegen von einigen bis zu vielen Sitzungen
3 Für wen ist es geeignet?
- Partnerschaftskonflikte, Krisen und Kommunikationsprobleme
- Familien mit einem psychisch erkrankten Mitglied, auch zur Entlastung der Angehörigen
- Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten, Essstörungen oder Angst, bei denen Eltern einbezogen werden
- Trennung, Verlust, Patchworkfamilien, Erziehungsfragen
4 Wirksamkeit und Evidenz
Für familienbasierte Behandlung bei Essstörungen von Jugendlichen und für Familieninterventionen bei Schizophrenie und bipolarer Störung ist die Wirksamkeit gut belegt und in Leitlinien empfohlen. Paartherapie wirkt nachweislich bei Beziehungsproblemen und kann Depressionen lindern, wenn Beziehungsprobleme eine Rolle spielen.
5 Kosten und Zugang
- Familienarbeit im Rahmen einer Behandlung der Erkrankung wird von der Krankenkasse getragen.
- Reine Paartherapie ohne behandlungsbedürftige Erkrankung ist in der Regel keine Kassenleistung und muss selbst bezahlt werden.
- Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen bieten kostenlose oder günstige Beratung, oft gegen Spende.
- Auf Qualifikation achten, etwa Approbation oder anerkannte Weiterbildung in Paar- und Familientherapie.
6 Grenzen und Risiken
- Wenn nicht alle Beteiligten mitmachen wollen, ist der Ansatz eingeschränkt.
- Bei Gewalt oder Missbrauch in der Familie sind getrennte Sicherheitsmaßnahmen wichtig. Paargespräche sind dann meist ungeeignet.
- Konflikte können zunächst stärker aufbrechen.
- Nicht jede Praxis bietet Paar- und Familientherapie an.
7 Quellen
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen (AWMF-Register Nr. 051-026)
- S3-Leitlinie Schizophrenie (AWMF-Register Nr. 038-009)
- Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF)