Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Kurzüberblick
Nicht jede körperliche Erkrankung hat einen eigenen Eintrag. Dieser Sammelbeitrag erklärt, was sie gemeinsam haben: Körper und Seele beeinflussen sich gegenseitig. Beispiele sind:
- Post-COVID und andere Folgen von Infektionen: anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Atem- und Kreislaufbeschwerden
- Hauterkrankungen: z. B. Neurodermitis und Schuppenflechte, bei denen Stress Schübe auslösen kann und sichtbare Haut seelisch belastet
- Tinnitus und Hörstörungen: Ohrgeräusche, die durch Anspannung und Sorgen stärker erlebt werden
- Chronische Nieren- und Lebererkrankungen
- Allergien, Kopf- und Rückenschmerzen und weitere langwierige Beschwerden
- Chronische Erkrankungen allgemein: jede dauerhafte Erkrankung kann Angst, Niedergeschlagenheit und Erschöpfung auslösen
Wichtig ist: Wer körperlich erkrankt ist, darf sich auch seelisch Hilfe holen. Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden „nur psychisch“ sind.
2 Symptome
Typische Anzeichen, dass die Seele mitbelastet ist:
- anhaltende Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit oder Interessenverlust
- Angst vor Verschlechterung, vor Untersuchungen oder vor dem Alltag
- Schlafstörungen, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme
- Rückzug aus Freundschaften und Aktivitäten
- Schwierigkeiten, Behandlungen zu befolgen oder Termine wahrzunehmen
Diese Beschwerden können Teil der körperlichen Erkrankung sein, eine Reaktion darauf oder eine eigenständige psychische Erkrankung, die behandelt werden sollte.
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Biologische Zusammenhänge: Entzündungen, Hormone, Schmerzen und Schlaf wirken auf Stimmung und Antrieb
- Belastung durch die Erkrankung: Einschränkungen, Schmerzen, Unsicherheit, Verlust von Rollen und Selbstständigkeit
- Nebenwirkungen von Medikamenten können Stimmung und Antrieb beeinflussen
- Soziale Faktoren: Arbeitsausfall, finanzielle Sorgen, fehlendes Verständnis
4 Diagnostik
- Beschwerden offen mit der Haus- oder Facharztpraxis besprechen, auch seelische
- Abklärung, ob körperliche Ursachen, Medikamente oder eine psychische Erkrankung beteiligt sind
- Fragebögen zu Stimmung und Angst (z. B. PHQ-9, GAD-7) können helfen
5 Behandlung
- Behandlung der körperlichen Erkrankung bleibt die Grundlage
- Psychotherapie bei Depression, Angst und zur Krankheitsbewältigung, wenn möglich mit Erfahrung in der jeweiligen Erkrankung
- Medikamente bei Bedarf, abgestimmt mit den vorhandenen Medikamenten, um Wechselwirkungen zu vermeiden
- Reha, Bewegung, Entspannung, Schmerzbewältigung je nach Erkrankung
- Selbsthilfe und Beratung: Austausch mit anderen Betroffenen und sozialrechtliche Beratung
Mehr dazu in den Lexikon-Kategorien „Psychotherapieverfahren“, „Selbsthilfe und Peer-Angebote“ und „Rechte und Sozialrecht“.
6 Verlauf und Prognose
Der Verlauf hängt von der jeweiligen Erkrankung ab. Seelische Begleitbeschwerden bessern sich oft deutlich, wenn sie erkannt und behandelt werden, und das verbessert häufig auch die körperliche Situation. Wer sich früh Unterstützung holt, bewältigt chronische Erkrankungen meist besser.
7 Tipps für Angehörige
- Beschwerden ernst nehmen, körperlich wie seelisch.
- Zuhören und Unterstützung anbieten, ohne zu bevormunden.
- Selbstständigkeit so weit wie möglich erhalten.
- Auf Anzeichen von Depression oder Hoffnungslosigkeit achten und zu Hilfe ermutigen.
- Auch an sich selbst denken und Entlastung suchen.
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- Leitlinien der AWMF und Nationale VersorgungsLeitlinien, je nach Erkrankung
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation