Zitat⚠️ Dieser Artikel gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Medikamente bitte nie eigenmächtig ändern oder absetzen. Dosierungen nennen wir bewusst nicht.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Kurzüberblick
Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Störung: Der Darm arbeitet verändert und reagiert empfindlich, ohne dass sich eine Entzündung oder Schädigung zeigt. Die Diagnose wird gestellt, nachdem andere Ursachen ausgeschlossen sind.
2 Symptome
- Bauchschmerzen, Krämpfe, Blähungen
- Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
- Völlegefühl, Beschwerden nach Mahlzeiten
- Besserung oft nach dem Stuhlgang
3 Ursachen und Risikofaktoren
- gestörte Darm-Hirn-Kommunikation
- Stress, Angst und psychische Belastung
- Infektionen des Darms, Darmflora, Nahrungsmittelunverträglichkeiten
- Veranlagung
4 Diagnostik
- Gespräch, körperliche Untersuchung, Blutwerte
- Ausschluss von Zöliakie, Entzündungen, Laktoseintoleranz, bei Bedarf Darmspiegelung
- Warnzeichen wie Blut im Stuhl werden gesondert abgeklärt
5 Behandlung
- Ernährungsberatung, bei Bedarf FODMAP-Diät unter Anleitung
- Bewegung, Entspannung, Stressreduktion
- Medikamente je nach Beschwerden (Krampflösende, Ballaststoffe, Abführmittel oder Mittel gegen Durchfall)
- Psychotherapie, z. B. darmgerichtete Hypnotherapie
6 Verlauf und Prognose
Der Reizdarm verläuft schwankend und oft über Jahre. Er ist nicht gefährlich, kann aber die Lebensqualität stark einschränken.
7 Körper und Seele
- Angst, Depression und Stress verstärken die Beschwerden und umgekehrt
- Hypnotherapie und Verhaltenstherapie zeigen gute Ergebnisse
- Der Alltag sollte nicht nur um den Darm kreisen; Verständnis und Begleitung helfen
8 Tipps für Angehörige
- Zuhören, ernst nehmen und nicht bewerten
- Bei Terminen begleiten, Fragen mitnotieren und praktische Hilfe im Alltag anbieten
- Verständnis für Schwankungen von Tagesform und Belastbarkeit zeigen
- Auf die eigenen Grenzen achten und selbst Unterstützung suchen, zum Beispiel in Angehörigengruppen
9 Hilfe im Notfall
- Blut im Stuhl, Gewichtsverlust ohne Grund, nächtliche Durchfälle, Fieber: ärztlich abklären
- heftiger anhaltender Bauchschmerz mit hartem Bauch: Notruf 112
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
- Telefonseelsorge bei seelischer Krise: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
10 Quellen
- S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom (AWMF, Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie)
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation