Zitat⚠️ Medikamente nie eigenmächtig ändern oder absetzen. Bitte immer Rücksprache mit Ärztin oder Arzt halten. Dieser Artikel nennt bewusst keine Dosierungen.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Wirkstoff und Handelsnamen
Wichtige Wirkstoffe mit Beispielen für Handelsnamen:
- Methylphenidat (z. B. Ritalin, Medikinet, Concerta): meist die erste Wahl bei Kindern und Jugendlichen
- Lisdexamfetamin (z. B. Elvanse) und Dexamfetamin: Amfetamin-Wirkstoffe
- Atomoxetin (z. B. Strattera): ein Nicht-Stimulans
- Guanfacin: ein weiterer Nicht-Stimulans für Kinder und Jugendliche
2 Wirkstoffgruppe
Stimulanzien (Methylphenidat, Amfetamine) und Nicht-Stimulanzien (Atomoxetin, Guanfacin). Stimulanzien unterliegen dem Betäubungsmittelrecht und werden auf einem besonderen Rezept verordnet.
3 Anwendungsgebiete
- Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, je nach Wirkstoff und Zulassung
- in der Regel als Teil eines Gesamtkonzepts mit Aufklärung, Verhaltenstherapie, Strukturhilfen und Unterstützung in Schule oder Beruf
- Methylphenidat auch bei Narkolepsie
4 Wirkweise
Stimulanzien erhöhen die Verfügbarkeit der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn und verbessern dadurch Aufmerksamkeit, Konzentration und Impulskontrolle. Die Wirkung tritt meist schon am ersten Tag ein und lässt nach Abklingen des Mittels nach. Atomoxetin und Guanfacin wirken über andere Wege (Noradrenalin) und brauchen mehrere Wochen bis zur vollen Wirkung.
5 Häufige Nebenwirkungen
- verminderter Appetit, Gewichtsabnahme, Bauchschmerzen, Übelkeit
- Einschlafprobleme, Kopfschmerzen, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen
- erhöhter Puls und Blutdruck
- bei Kindern: Wachstum und Gewicht werden beobachtet
- selten: Tics verstärken sich, Ängste, Herzprobleme
- Atomoxetin: Müdigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, selten Leberwerterhöhung
- Guanfacin: Müdigkeit, niedriger Blutdruck, Schwindel
Blutdruck, Puls, Gewicht und Größe (bei Kindern) werden regelmäßig ärztlich kontrolliert.
6 Wechselwirkungen
- MAO-Hemmer (bestimmte Antidepressiva): Kombination mit Stimulanzien kann gefährliche Blutdruckkrisen auslösen und ist nicht zulässig
- Blutdrucksenkende und herzwirksame Medikamente sowie Mittel, die den Blutdruck erhöhen (auch Erkältungsmittel)
- Koffein, Alkohol, Drogen können die Wirkung und das Herz-Kreislauf-Risiko verändern
- Bestehende Herz- oder Gefäßerkrankungen, Angststörungen und Missbrauchsrisiken müssen vor der Verordnung besprochen werden
7 Absetzen
Stimulanzien können oft ohne starke Absetzsymptome pausiert oder beendet werden. Dennoch sollte das gemeinsam mit der behandelnden Praxis geschehen, zum Beispiel durch geplante Auslassversuche. Bei Guanfacin ist langsames Ausschleichen nötig, um einen Blutdruckanstieg zu vermeiden. Atomoxetin wird in Absprache beendet.
Die Mittel zeigen ihre Wirkung nur, solange sie eingenommen werden. Wenn die Beschwerden danach wieder auftreten, bedeutet das nicht, dass die Behandlung „nicht nötig“ war, sondern dass sie wirkt. Abstimmung ist wichtig bei Plänen wie Schwangerschaft oder Wechsel des Lebensabschnitts.
8 Quellen
- S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (AWMF-Register Nr. 028-045)
- Fachinformationen und Gebrauchsinformationen der jeweiligen Wirkstoffe
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)