Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel behandelt Essverhalten, Gewicht und Körperbild. Er nennt keine Zahlen zu Gewicht oder Kalorien. Lies nur so weit, wie es dir guttut.
1 Kurzüberblick
Die Erkrankung beginnt meist in der Jugend. Sie kann lebensbedrohlich sein, ist aber behandelbar. Betroffene erleben ihren Körper oft anders, als er ist.
2 Symptome
- starke Einschränkung des Essens, Auslassen von Mahlzeiten, Rituale beim Essen
- ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme
- verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers
- übermäßiger Sport, Abführmittel oder Erbrechen
- körperliche Folgen: Schwäche, Frieren, Schwindel, Zyklusstörungen, Herz- und Elektrolytprobleme
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Veranlagung, erbliche Einflüsse, Temperament (z. B. Perfektionismus)
- psychische Faktoren: geringes Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten mit Gefühlsregulation
- soziale und kulturelle Faktoren: Schlankheitsideale, Vergleiche, Hänseleien
- Auslöser wie Diäten, Veränderungen und Belastungen
4 Diagnostik
- sensibles Gespräch mit Haus- oder Kinderarzt, Psychiatrie oder Psychotherapie
- körperliche Untersuchung mit Gewichtsverlauf, Laborwerten und bei Bedarf EKG
- Fragebögen als Hilfsmittel (z. B. SCOFF, EDE-Q)
- Abklärung von Depression und weiteren Erkrankungen
5 Behandlung
- bei Jugendlichen familienbasierte Behandlung, bei Erwachsenen Psychotherapie (z. B. kognitive Verhaltenstherapie)
- Ernährungstherapie und medizinische Überwachung
- stationäre oder teilstationäre Behandlung bei starkem Untergewicht oder gefährlichen Werten
- Medikamente sind nicht die Hauptbehandlung
6 Verlauf und Prognose
Die Anorexie kann lebensbedrohlich sein. Mit früher Behandlung erholen sich viele Betroffene vollständig oder weitgehend. Der Weg dauert oft Monate bis Jahre.
7 Tipps für Angehörige
- Sorgen ohne Vorwurf und Druck ansprechen, am besten mit Ich-Botschaften
- Nicht über Essen, Gewicht oder Aussehen streiten und keine Kommentare dazu machen
- Gemeinsame Mahlzeiten ruhig und ohne Kontrolle gestalten
- Bei Jugendlichen die Familie in die Behandlung einbeziehen
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Bei körperlicher Notlage (Ohnmacht, Brustschmerz, Herzrasen, starke Schwäche): Notruf 112
- Beratungsstellen findest du über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (bzga-essstoerungen.de).
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Essstörungen (AWMF-Register Nr. 051-026)
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)