Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel spricht Verlust, Trauer und mögliche Suizidgedanken an.
1 Kurzüberblick
Trauer ist eine natürliche Reaktion auf einen Verlust. Von einer Störung spricht man, wenn die Sehnsucht und das Leid sehr stark bleiben und das Leben auch nach vielen Monaten deutlich eingeschränkt ist. Sie ist keine „schwache Trauer“, sondern eine behandelbare Erkrankung.
2 Symptome
- intensive Sehnsucht nach der verstorbenen Person oder ständige gedankliche Beschäftigung mit ihr
- starker emotionaler Schmerz, Leeregefühl, Schuldgefühle, Wut
- Schwierigkeit, den Verlust anzunehmen, Vermeiden von Erinnerungen
- Gefühl, einen Teil von sich verloren zu haben, Sinnlosigkeit
- Rückzug und Beeinträchtigung im Alltag, teils Suizidgedanken
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Auslöser ist ein belastendes oder bedrohliches Erlebnis, z. B. Gewalt, Unfall, Krieg, Flucht, Missbrauch oder ein plötzlicher Verlust
- Schwere, Dauer und Art des Erlebten, besonders von Menschen verursachte Gewalt
- frühere Belastungen und fehlende Unterstützung nach dem Ereignis
- individuelle Faktoren wie Veranlagung und Stressempfindlichkeit
4 Diagnostik
- traumasensibles Gespräch: Betroffene müssen das Erlebte nicht im Detail schildern
- Fragebögen als Hilfsmittel (z. B. PCL-5, ITQ)
- Abklärung begleitender Erkrankungen wie Depression, Angst, Sucht
- Abgrenzung zu Psychosen, Persönlichkeitsstörungen und körperlichen Ursachen
5 Behandlung
- spezielle Trauertherapie, z. B. verhaltenstherapeutische Verfahren mit Konfrontation und Sinnfindung
- Gruppen für Trauernde und Selbsthilfe
- Behandlung begleitender Depression
- Rituale, Erinnerung und Unterstützung im Umfeld
6 Verlauf und Prognose
Mit passender Behandlung wird die Trauer oft allmählich tragbarer. Sie bleibt als Erinnerung, bestimmt aber nicht mehr das ganze Leben.
7 Tipps für Angehörige
- Zuhören, ohne nach Einzelheiten zu bohren. Betroffene entscheiden selbst, wie viel sie erzählen.
- Sicherheit und Verlässlichkeit geben, Überraschungen und Druck vermeiden
- Bei Flashbacks ruhig bleiben und in die Gegenwart zurückholen: Name, Ort, Datum nennen
- Auf professionelle Hilfe hinweisen, aber nicht erzwingen
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530 (kostenlos)
- Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS: 116 006 (kostenlos)
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung (AWMF-Register Nr. 155-001)
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation
- Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT)