Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel spricht Wahn im Zusammenhang mit Geburt und Gefährdung des Kindes an.
1 Kurzüberblick
Sie ist selten, tritt aber plötzlich auf und kann sich schnell verschlechtern. Betroffene sind nicht „schlechte Mütter“, sondern erkrankt. Es besteht die Gefahr, dass sie sich oder das Kind gefährden.
2 Symptome
- plötzliche Verwirrtheit, Unruhe, Schlaflosigkeit
- Wahn, oft mit Bezug auf das Kind, Halluzinationen
- stark wechselnde Stimmung, Euphorie oder Niedergeschlagenheit
- Gefahr der Selbst- oder Kindesgefährdung
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Zusammenspiel von Veranlagung und Belastungen (Vulnerabilitäts-Stress-Modell)
- genetische Einflüsse, Besonderheiten der Hirnentwicklung und des Botenstoffwechsels (z. B. Dopamin)
- Risikofaktoren wie Cannabis- und andere Drogenkonsum, belastende Kindheitserfahrungen
- starker Stress und Schlafmangel können Phasen auslösen
4 Diagnostik
- ausführliches Gespräch, oft auch mit Angehörigen
- körperliche Untersuchung, Blut- und Urinuntersuchungen, meist Bildgebung des Gehirns (MRT oder CT)
- Ausschluss körperlicher Ursachen wie Hirnerkrankungen, Stoffwechselstörungen und Drogenwirkung
- Abgrenzung zu Depression, bipolarer Störung und Persönlichkeitsstörungen
5 Behandlung
- sofortige Behandlung in der Klinik, möglichst gemeinsam mit dem Kind in einer Mutter-Kind-Einheit
- Antipsychotika, bei Bedarf Stimmungsstabilisierer
- Schutz von Mutter und Kind, Entlastung und Nachsorge
6 Verlauf und Prognose
Mit schneller Behandlung klingt die Wochenbettpsychose meist ab. Das Risiko für spätere Episoden ist erhöht, deshalb sind Nachsorge und Beratung vor weiteren Schwangerschaften wichtig.
7 Tipps für Angehörige
- Ruhig bleiben, einfach und klar sprechen. Nicht über den Wahn streiten, ihn aber auch nicht bestätigen.
- Gefühle ernst nehmen (z. B. „Das macht dir große Angst“)
- Reize und Konflikte verringern, Druck vermeiden
- Frühwarnzeichen kennen und gemeinsamen Krisenplan vereinbaren
- Bei akuter Gefährdung von sich oder anderen Notruf 112
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Bei Verwirrtheit, Wahn, Schlaflosigkeit oder Gedanken, sich oder dem Kind etwas anzutun: sofort 112 oder die nächste psychiatrische Klinik
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- S3-Leitlinie Schizophrenie (AWMF-Register Nr. 038-009)
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation
- Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK)