Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel spricht Suizidgedanken als mögliches Symptom an. Hilfe findest du im Abschnitt „Hilfe im Notfall“.
1 Kurzüberblick
Bei Typ I tritt mindestens einmal im Leben eine Manie auf: eine Phase mit stark gehobener oder gereizter Stimmung und sehr hohem Antrieb, die Alltag und Beziehungen deutlich beeinträchtigt und oft eine Klinikbehandlung nötig macht. Meist kommen depressive Phasen hinzu.
2 Symptome
- Manie: stark gehobene oder gereizte Stimmung, sehr hoher Antrieb, kaum Schlafbedürfnis
- Rededrang, Gedankenrasen, überhöhtes Selbstvertrauen
- riskantes Verhalten, zum Beispiel hohe Ausgaben, riskante Geschäfte, ungeschützte sexuelle Kontakte
- teils Wahnideen oder Halluzinationen
- Depressive Phasen: wie bei einer depressiven Episode
- Zwischen den Phasen sind viele Betroffene beschwerdefrei
3 Ursachen und Risikofaktoren
- starke erbliche Veranlagung
- Veränderungen im Botenstoffsystem und im Tag-Nacht-Rhythmus
- Auslöser wie Schlafmangel, Stress, Substanzen und belastende Ereignisse
- Lebensrhythmus und Schlaf haben großen Einfluss auf Rückfälle
4 Diagnostik
- ausführliches Gespräch zu depressiven und gehobenen Phasen, auch mit Berichten von Angehörigen
- Fragebögen als Hilfsmittel (z. B. zur Erfassung von Hypomanie)
- körperliche Untersuchung und Blutwerte, um körperliche Ursachen auszuschließen
- Abgrenzung zu Depression, ADHS, Borderline und Substanzwirkung
5 Behandlung
- Akute Manie: Stimmungsstabilisierer und/oder Antipsychotika, oft stationär
- Phasenprophylaxe: Stimmungsstabilisierer wie Lithium, Valproat oder Lamotrigin
- Psychoedukation, Krisenplan, Frühwarnzeichen
- regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus und genügend Schlaf
- Antidepressiva bei depressiven Phasen nur mit Vorsicht und nicht allein, weil sie Hochphasen auslösen können
6 Verlauf und Prognose
Die Erkrankung ist meist langfristig mit wiederkehrenden Phasen. Mit konsequenter Behandlung und gutem Selbstmanagement führen viele Betroffene ein stabiles Leben. Rückfälle sind möglich.
7 Tipps für Angehörige
- Zuhören und da sein, ohne zu bewerten
- Auf Hilfe hinweisen und, wenn gewünscht, zu Terminen begleiten
- Die Erkrankung ernst nehmen, ohne den Alltag nur noch um sie kreisen zu lassen
- Auf die eigenen Grenzen achten und selbst Unterstützung suchen, zum Beispiel in Angehörigengruppen
- In Hochphasen wenig diskutieren, Reize verringern und gemeinsam vereinbarte Krisenpläne aus gesunden Zeiten nutzen
- Äußerungen über Suizid ernst nehmen und direkt ansprechen
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen (AWMF-Register Nr. 038-019)
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation
- Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS)