Zitat⚠️ Medikamente nie eigenmächtig ändern oder absetzen. Bitte immer Rücksprache mit Ärztin oder Arzt halten. Dieser Artikel nennt bewusst keine Dosierungen.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Wirkstoff und Handelsnamen
Wirkstoff Flupentixol. Beispiel für Handelsnamen: Fluanxol sowie Generika. Auch als Depotspritze erhältlich.
Die Verfügbarkeit einzelner Präparate kann wechseln. Aktuelle Informationen bieten die Rote Liste und die Apotheke.
2 Wirkstoffgruppe
Antipsychotika der ersten Generation (klassische Neuroleptika), hochpotent.
3 Anwendungsgebiete
- Schizophrenie und Rückfallvorbeugung, auch als Depot
- in niedriger Menge teils bei Depression mit Angst, nach ärztlicher Verordnung
Zulassung und Anwendungsgebiete können sich je nach Präparat unterscheiden. Maßgeblich sind die Fachinformation und die ärztliche Verordnung.
4 Wirkweise
Hochpotente klassische Antipsychotika blockieren vor allem Dopamin-D2-Rezeptoren im Gehirn. Dadurch dämpfen sie Halluzinationen, Wahn und Erregung. Die Wirkung auf Unruhe tritt oft in Stunden bis Tagen ein, die auf Wahn und Halluzinationen meist nach Tagen bis Wochen.
5 Häufige Nebenwirkungen
- Bewegungsstörungen: Muskelsteifigkeit, Zittern, Frühdyskinesien (unwillkürliche Muskelkrämpfe, vor allem im Gesicht und Nacken), Akathisie (quälende innere Unruhe mit Bewegungsdrang). Anpassung und Gegenmittel sind möglich.
- Spätdyskinesien (unwillkürliche Bewegungen) nach längerer Behandlung, deshalb regelmäßige Kontrolle
- Prolaktinerhöhung: Zyklusstörungen, Milchfluss, nachlassende Lust, Brustwachstum bei Männern
- Müdigkeit, Mundtrockenheit, Gewichtszunahme
- Herzrhythmus (QT-Verlängerung) bei einigen Wirkstoffen
- wirkt eher aktivierend, Unruhe und Schlafstörungen möglich
Wichtig: Bei Fieber, ausgeprägter Muskelsteifigkeit und Verwirrtheit sofort ärztliche Hilfe holen (selten: malignes neuroleptisches Syndrom). Gewicht, Blutzucker, Blutfette, Blutdruck, EKG und Blutbild werden ärztlich regelmäßig kontrolliert. Bei älteren Menschen mit Demenz erhöhen Antipsychotika das Risiko für Schlaganfall und Todesfälle. Der Einsatz erfolgt dort nur nach strenger Abwägung und zeitlich begrenzt.
6 Wechselwirkungen
- Alkohol und dämpfende Mittel verstärken Müdigkeit und Dämpfung
- weitere QT-verlängernde Mittel (z. B. bestimmte Antibiotika, Antidepressiva, Antiarrhythmika) addieren das Risiko
- Wechselwirkungen über Leberenzyme (CYP2D6, CYP3A4), z. B. mit Carbamazepin, Fluoxetin, Paroxetin
- Dopamin-Wirkstoffe (Parkinson-Mittel) wirken gegensätzlich
7 Absetzen
Antipsychotika nicht ohne Absprache absetzen. Abruptes Absetzen kann Absetzsymptome (Unruhe, Schlafstörungen, Übelkeit, Bewegungsstörungen) oder einen Rückfall der Erkrankung auslösen. Die Leitlinie empfiehlt zur Vorbeugung nach einer ersten Episode in der Regel mindestens ein Jahr Fortführung, nach mehreren Episoden meist deutlich länger. Wenn Nebenwirkungen zum Absetzen drängen, zuerst das Gespräch suchen: Oft helfen ein Wechsel des Wirkstoffs oder eine Anpassung. Das Absetzen immer schrittweise und gemeinsam mit der behandelnden Praxis planen.
8 Quellen
- S3-Leitlinie Schizophrenie (AWMF-Register Nr. 038-009)
- Fachinformation und Gebrauchsinformation des jeweiligen Präparats
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
- Rote Liste