Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Hilfe. In akuter Gefahr wähle sofort den Notruf 112.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel spricht Suizidgedanken und Krisen an. Wenn es dir gerade sehr schlecht geht, lies zuerst den Abschnitt „Sofort Hilfe“.
1 Sofort Hilfe
- Akute Lebensgefahr, konkrete Suizidpläne oder Selbstverletzung mit Gefahr: Notruf 112 oder die Notaufnahme der nächsten Klinik. Du kannst auch direkt in eine psychiatrische Klinik gehen.
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, auch 116 123 (kostenlos, anonym, rund um die Uhr). Beratung auch per Chat und E-Mail über telefonseelsorge.de.
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117, wenn keine Lebensgefahr besteht, du aber außerhalb der Sprechzeiten ärztliche Hilfe brauchst
- Kinder und Jugendliche: Nummer gegen Kummer 116 111 (kostenlos). Eltern: Elterntelefon 0800 111 0 550. Online-Beratung für junge Menschen bei Suizidgedanken: U25 über u25-deutschland.de.
Du musst nicht „schlimm genug“ dran sein, um Hilfe zu holen. Jede Anruferin und jeder Anrufer ist willkommen.
2 Weitere Notrufnummern bei bestimmten Situationen
- Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530 (kostenlos)
- Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS: 116 006 (kostenlos)
- Hilfetelefon Schwangere in Not: 0800 40 40 020 (kostenlos, anonym)
- Vergiftung oder Überdosierung: Notruf 112 oder die regionale Giftnotrufzentrale
3 Anzeichen einer akuten Krise
- anhaltende Hoffnungslosigkeit, das Gefühl, eine Last zu sein, oder die Überzeugung, es gebe keinen Ausweg
- Gedanken oder Pläne, sich das Leben zu nehmen, Verschenken von persönlichen Dingen, Abschiednehmen
- Starke innere Anspannung, Panik, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit über Tage
- Selbstverletzung, riskantes Verhalten, Alkohol- oder Drogenkonsum zur Betäubung
- plötzlicher Rückzug oder plötzliche Ruhe nach langer Verzweiflung
Suizidgedanken kommen bei vielen Menschen in schweren Lebensphasen vor. Sie sind oft Ausdruck eines Wunsches, dass der Schmerz aufhört, nicht unbedingt des Wunsches zu sterben. Sie vergehen oft wieder und sind behandelbar.
4 Was du selbst tun kannst
- Nicht allein bleiben: Sprich mit einer vertrauten Person oder ruf eine der Nummern oben an.
- Gefahrenquellen entfernen: Medikamentenvorräte, scharfe Gegenstände oder andere Mittel für eine Weile aus der Nähe geben und Alkohol vermeiden
- Sicherheitsplan nutzen: Schreibe in ruhigen Zeiten auf, woran du Krisen erkennst, was dir hilft, wen du anrufst und welche Nummern du hast. Lege den Plan griffbereit.
- Skills gegen starke Anspannung: kaltes Wasser im Gesicht oder Eiswürfel in der Hand, kräftige Bewegung, langsames Ausatmen, die Umgebung benennen (5 Dinge sehen, 4 fühlen, 3 hören)
- Den nächsten Schritt klein halten: nur die nächste Stunde überstehen, etwas essen, trinken, ruhen
- Therapeutische Anbindung: Termin in der Praxis, in Ambulanzen oder beim Sozialpsychiatrischen Dienst vereinbaren
5 Wenn jemand anderes in der Krise ist
- Ansprechen: Frage offen und direkt, ob er oder sie an Suizid denkt. Das Fragen löst keinen Suizid aus, sondern entlastet oft.
- Zuhören, ohne zu bewerten: Gefühle ernst nehmen, keine Vorwürfe, keine Floskeln wie „Reiß dich zusammen“
- Nicht allein lassen: bei akuter Gefahr bleiben und professionelle Hilfe holen
- Hilfe organisieren: gemeinsam anrufen, zur Notaufnahme oder Krisenhilfe begleiten, im akuten Fall 112
- Mittel entfernen, wenn es sicher möglich ist
- Selbst Hilfe holen: Auch Angehörige dürfen sich bei der Telefonseelsorge beraten lassen
6 Was passiert in der Notaufnahme oder Klinik?
In einer psychiatrischen Notaufnahme oder Klinik wird geprüft, wie akut die Lage ist. Meist wird freiwillig behandelt: Gespräch, Beruhigung, Schutz, gegebenenfalls Medikamente und Aufnahme. Nur wenn akute erhebliche Selbst- oder Fremdgefährdung besteht und keine freiwillige Hilfe möglich ist, kann eine Unterbringung nach den Gesetzen des Landes oder dem Betreuungsrecht angeordnet werden. Sie wird gerichtlich überprüft und ist zeitlich begrenzt.
7 Nach der Krise
Nach einer Krise sind Nachsorge und ein Plan wichtig: Termine in der Praxis oder Ambulanz, ein aktualisierter Sicherheitsplan und Unterstützung durch Angehörige oder Selbsthilfe. Nach einer Krise darf man auch „zurück in den Alltag“ langsam angehen.
8 Quellen
- S3-Leitlinie / Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression: Hinweise zu Suizidalität
- Nationales Suizidpräventionsprogramm für Deutschland (NaSPro)
- Telefonseelsorge Deutschland
- Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS)