Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
1 Kurzüberblick
Der Wahn betrifft meist ein bestimmtes Thema, zum Beispiel Verfolgung, Eifersucht, Krankheit oder Größe. Im Alltag wirken Betroffene sonst oft unauffällig. Wegen fehlender Krankheitseinsicht suchen sie selten selbst Hilfe.
2 Symptome
- feste, nicht korrigierbare Überzeugungen zu einem Thema
- z. B. Verfolgungs-, Eifersuchts-, Krankheits- oder Größenwahn
- sonst oft weitgehend normale Persönlichkeit und Alltagsfähigkeit
- teils Rückzug, Konflikte oder gerichtliche Auseinandersetzungen
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Zusammenspiel von Veranlagung und Belastungen (Vulnerabilitäts-Stress-Modell)
- genetische Einflüsse, Besonderheiten der Hirnentwicklung und des Botenstoffwechsels (z. B. Dopamin)
- Risikofaktoren wie Cannabis- und andere Drogenkonsum, belastende Kindheitserfahrungen
- starker Stress und Schlafmangel können Phasen auslösen
4 Diagnostik
- ausführliches Gespräch, oft auch mit Angehörigen
- körperliche Untersuchung, Blut- und Urinuntersuchungen, meist Bildgebung des Gehirns (MRT oder CT)
- Ausschluss körperlicher Ursachen wie Hirnerkrankungen, Stoffwechselstörungen und Drogenwirkung
- Abgrenzung zu Depression, bipolarer Störung und Persönlichkeitsstörungen
5 Behandlung
- Vertrauensaufbau, Psychotherapie mit Respekt vor der Überzeugung
- Antipsychotika, oft nur zögernd akzeptiert
- Behandlung begleitender Depression oder Angst
- stationäre Behandlung bei Gefährdung
6 Verlauf und Prognose
Der Verlauf ist oft chronisch. Mit Vertrauen und Geduld lässt sich die Belastung bei einem Teil der Betroffenen verringern.
7 Tipps für Angehörige
- Ruhig bleiben, einfach und klar sprechen. Nicht über den Wahn streiten, ihn aber auch nicht bestätigen.
- Gefühle ernst nehmen (z. B. „Das macht dir große Angst“)
- Reize und Konflikte verringern, Druck vermeiden
- Frühwarnzeichen kennen und gemeinsamen Krisenplan vereinbaren
- Bei akuter Gefährdung von sich oder anderen Notruf 112
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- S3-Leitlinie Schizophrenie (AWMF-Register Nr. 038-009)
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation
- Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK)