Zitat⚠️ Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.
Letzte Prüfung: 01.11.2026
Hinweis: Dieser Artikel spricht Suizidgedanken als mögliches Symptom an. Hilfe findest du im Abschnitt „Hilfe im Notfall“.
1 Kurzüberblick
Die saisonale Depression folgt einem jahreszeitlichen Muster: Beschwerden beginnen meist im Herbst oder Winter und bessern sich im Frühjahr. Auslöser ist vermutlich der Lichtmangel, der den Schlaf-Wach-Rhythmus und Botenstoffe beeinflusst.
2 Symptome
- gedrückte Stimmung, Antriebsmangel im Herbst und Winter
- vermehrtes Schlafbedürfnis und Müdigkeit
- Heißhunger auf Kohlenhydrate und Gewichtszunahme
- sozialer Rückzug und Interessenverlust
- Besserung im Frühjahr und Sommer
3 Ursachen und Risikofaktoren
- Zusammenspiel von Veranlagung, Belastungen und Lebensumständen (Vulnerabilitäts-Stress-Modell)
- Veränderungen im Stoffwechsel von Botenstoffen, im Stresshormon- und im Schlaf-Wach-System
- belastende Lebensereignisse, Verlust, Dauerstress, Einsamkeit
- körperliche Erkrankungen, Medikamente, Alkohol und Drogen können Auslöser sein
4 Diagnostik
- Gespräch in der Hausarztpraxis, bei Psychiatrie oder Psychotherapie über Beschwerden, Dauer und Verlauf
- Fragebögen als Hilfsmittel, zum Beispiel der PHQ-9
- körperliche Untersuchung und Blutwerte (z. B. Schilddrüse), um körperliche Ursachen auszuschließen
- gezielte Fragen nach Suizidgedanken und nach früheren Hochphasen
5 Behandlung
- Lichttherapie: täglich Licht mit hoher Helligkeit am Morgen, wirksam bei saisonaler Depression
- Tageslicht und Bewegung im Freien
- Psychotherapie und, bei Bedarf, Antidepressiva
- regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
6 Verlauf und Prognose
Die Beschwerden kehren oft Winter für Winter wieder. Mit Lichttherapie und früh beginnender Behandlung lassen sie sich gut lindern.
7 Tipps für Angehörige
- Zuhören und da sein, ohne zu bewerten
- Auf Hilfe hinweisen und, wenn gewünscht, zu Terminen begleiten
- Die Erkrankung ernst nehmen, ohne den Alltag nur noch um sie kreisen zu lassen
- Auf die eigenen Grenzen achten und selbst Unterstützung suchen, zum Beispiel in Angehörigengruppen
- Äußerungen über Suizid ernst nehmen und direkt ansprechen. Das Fragen löst keinen Suizid aus.
8 Hilfe im Notfall
- Akute Gefahr oder Notfall: Notruf 112
- Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533 (Deutsche Depressionshilfe)
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenlos, rund um die Uhr)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
9 Quellen
- Nationale VersorgungsLeitlinie / S3-Leitlinie Unipolare Depression (AWMF-Register Nr. nvl-005)
- Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD), Weltgesundheitsorganisation
- Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention